Otto-Hahn-Friedensmedaille 2011 : Auszeichnung für den "geborenen Preisträger"

Der Generalmusikdirektor der Staatsoper Berlin Daniel Barenboim wird im Haus der Kulturen der Welt mit der Otto-Hahn-Friedensmedaille ausgezeichnet. Für ihn ist es nicht der erste Preis.

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André Schmitz, in Vertretung des Regierenden Bürgermeisters, bringt es im Haus der Kulturen der Welt auf den Punkt: Daniel Barenboim sei die „beste Wahl“ für die Otto-Hahn-Friedensmedaille 2011 und überhaupt „der geborene Preisträger“. Abgesehen davon, dass der Generalmusikdirektor der Staatsoper Berlin gefühlt alle zwei Wochen einen Preis einheimst (was seine künstlerischen Verdienste so wenig schmälert wie sein mutiges, nicht selten politisch inkorrektes Eintreten für die Völkerverständigung zwischen Israel und den arabischen Staaten), gehen Kunst und Leben in seiner Person tatsächlich eine besondere Verbindung ein. Vier Pässe hat Barenboim – „auch die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen Sie mit Kusshand!“, wie Schmitz ausruft.

Es ist ein Abend der salbungsvollen Sätze, was in der Natur der Sache liegen mag. Die „universelle Sprache der Musik“, das West Eastern Divan Orchestra als Modell, die Shoah als „Teil der deutschen Identität“. Solidaritätsadressen an Japan oder ein gesteigertes Reflektieren über die Ereignisse in Arabien sucht man vergebens. Eine Enttäuschung, immerhin ist Otto Hahn nicht nur früh und aus Überzeugung nach Israel gereist, sondern war als Chemiker und „Vater der Kernspaltung“ mittelbar am Bau der Atombombe beteiligt. Ärgerlich auch, dass der Lübecker Psychologe Rolf Verleger sich in seiner so zarten Laudatio zu der Aussage versteigt, in Barenboims Geburtsjahr 1942 sei man in Europa nicht geboren worden, „sondern gestorben“. Einzig Barenboim selbst fühlt sich anschließend bemüßigt, Libyen und Japan als „Zeichen“ zu lesen, als Aufforderung, „alles neu zu denken“ – was der Mensch aus der Musik lernen könne. Einen Seitenhieb auf die deutsche Außenpolitik kann er sich nicht verkneifen: „Ich bin traurig, dass ein großer Teil der Welt die friedliche Revolution in Ägypten nicht wirklich begrüßt hat.“

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