Kultur : Otto Steinerts Werk in all seinen Facetten

chs

Fotografie, lautet ein gängiges Vorurteil, bildet die Wirklichkeit ab. Wahr ist: Fotografie zeigt die Wirklichkeit, die der Fotograf herstellt. Die "Junge Schauspielerin", die Otto Steinert 1949 fotografiert hat, scheint in einer anderen Welt als der unseren zu leben. Ihr fahles Madonnengesicht wirkt unberührbar, der Blick geht nach innen. An den Rändern verwischen die Linien, der Hintergrund stüpt sich nach vorne. Mit den Stilmitteln Solarisation - wie in diesem Fall -, Foto- und Luminogramm hat Otto Steinert experimentiert wie kein anderer deutscher Kamera-Künstler seiner Generation. Die "subjektive fotografie" - so der Titel einer Ausstellung, die Steinert 1951 an der Saarbrücker Kunsthandwerksschule organisierte - wurde zum Leit-Stil der Epoche. Diese Fotografie wollte frei sein, deshalb wandte sie sich von der Realität ab. Der prachtvolle Band "Der Fotograf Otto Steinert" (hg. v. Ute Eskildsen, Steidl Verlag, 237 S., 79 DM) fächert Steinerts Werk in all seinen Facetten auf: Stilleben, Collagen, Porträts, Landschaften, Paris-Bilder. "Die Produktion des Bildes", schrieb Steinert, "wird sich immer im Bereich des Bewussten abspielen, wobei der Bewusstseinsgrad von der Persönlichkeit des Fotografen abhängt."

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