Kultur : Paare, Passionen

Wieder da: „Die Katze auf dem heißen Blechdach“

Julian Hanich

Von diesem Film ist vor allem eines in Erinnerung geblieben: die Hitze. Wenn Richard Brooks’ „Cat on a Hot Tin Roof“ jetzt, 46 Jahre nach der Premiere, mit neuen Kopien wieder aufgeführt wird, dann verspricht das einen heißen Sommer. Zumindest im Kinosaal.

Das Südstaaten-Anwesen des alten Big Daddy ist ein Gefühlstreibhaus, in dem Lebenslügen wuchernd gedeihen. Wer darin haust, sollte im Schweiße seines Angesichts kühlen Kopf bewahren. Aber die Hitze des familiären Gefechts steigt den Leuten zu Kopf. Die Emotionen drängen durch die offenen Poren nach draußen. An jenem Sommertag des totalen Missvergnügens, Big Daddys 65. Geburtstag, wird alles auf den Gabentisch geknallt: die tödliche Krankheit des Patriarchen, die vor ihm tuschelnd geheim gehalten wurde; die Ehekonflikte von Big Daddys Lieblingssohn, einem Säufer, der seine Frau nicht befriedigen kann; das gierige Opportunistentum des zweiten Sohnes, der sich unter den Einflüsterungen seiner Frau das Erbe sichern möchte. Drinnen im Haus scheint die Familie wie ein Geburtstagsstreuselkuchen zu zerbröckeln. Draußen braut sich unterdessen ein reinigendes Gewitter zusammen.

Der Film nach einem Tennessee-Williams-Drama – 1958 für sechs Oscars in allen wichtigen Kategorien nominiert, allerdings chancenlos gegen Vincente Minellis „Gigi“ – ist ein brodelndes Passionskammerspiel. Liz Taylor, als Maggie die Katze, schnurrt sehnsüchtig, lustvoll, begierig. Wenn sie im blütenweißen Kleid durchs Haus streunt, droht beim männlichen Publikum der Schweiß auszubrechen. Den Zuschauerinnen dürfte erst recht heiß werden, wenn der junge Paul Newman seinen Stahlkörper freilegt. Über all dem thront Burl Yves, als Big Daddy hinreißend hin- und hergerissen zwischen krachendem Machismo und gebrechlicher Resignation.

Manches wirkt heute befremdend. Die Darstellung der Frauenfiguren etwa braucht sich um keinen Feminismuspreis zu bewerben. Und das Thema Homosexualität, im Stück deutlich angelegt, wurde im Film zensiert. Homosexualität war damals ein Fremdwort in Hollywood. Kein schwuler Film also – dafür ein sehr, sehr schwüler.

Blow Up, Hackesche Höfe und Neue Kant Kinos (alle OmU)

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