Kultur : Pack’s mit Worten ein

Erich Keller hat mit seiner Kollektion von Buchstabenmöbeln ein pfiffiges Aufbewahrungskonzept entwickelt

Rolf Brockschmidt

Erich Keller hatte einen sicheren Job. Er entwarf Arbeitsplätze für den Börsen- und Devisenhandel, ein einträgliches Geschäft. Doch dann kam der 11. September und der Bedarf an solchen Arbeitsplätzen nahm rapide ab. „Ich hatte schlaflose Nächte, grübelte, wie ich meinen 80 Mitarbeitern die Arbeitsplätze erhalten könnte. Und in einer dieser wahrhaftig schlaflosen Nächte hatte ich die Idee: Möbel aus Buchstaben!“ Das klingt zunächst etwas merkwürdig, aber wenn man die formschönen Möbel sieht, für die Keller im letzten Jahr den „red dot award“ in der Kategorie „best of the best“ gewonnen hat, ist man schnell überzeugt. So ein „M“ hat etwas.

Aber warum ausgerechnet Buchstaben? „Es musste etwas sein, was nicht leicht zu kopieren ist“, sagt Keller. „Wenn ich einen Buchstaben anbiete, muss ich auch die anderen 25 anbieten können. Die Buchstaben mit Rundungen sind die kompliziertesten. Dafür braucht man schon einiges an Know-how.“ Erich Keller ist sich seiner Sache sicher. Diese Buchstaben lassen sich nicht eben mal nachbauen. So ein B ist recht komplex. Vor allem aber ist schon ein einziger Buchstabe ein respektables Möbel.

Alle Möbel haben die gleiche Höhe von 112 Zentimetern und die gleiche Tiefe von 37 Zentimetern. Die Breite variiert von 37 Zentimetern beim I, dem einfachsten Buchstaben, und reicht bis zu 154 Zentimetern beim W. Die Schrankmöbel lassen sich mit verstellbaren Regalböden ausstatten, in der Regel sind es zwei. Bei runden Buchstaben lassen sich die Böden nicht verstellen. Zusätzlich können in die geraden Buchstaben auch Schubläden eingesetzt werden. Man kann die Buchstaben aber auch mit einer offenen Front bestellen. Das macht Sinn bei Kombinationen.

Darin liegt der Reiz der Buchstaben. Wer eine Bar haben möchte, stellt sich die drei Buchstaben hin, BAR, der Name ist dann Funktion. Zu diesem Zweck wird auf die passende Länge ein Brett geliefert, das die Buchstaben verbindet und über eine Nut dort einrastet, wo die Türen ein wenig hoch stehen. Es lassen sich natürlich viele Kombinationen denken, wobei englische Wörter wegen ihrer Kürze und Prägnanz gut geeignet sind. HOME, DRINK, FAMILY, HEIM, IT, um nur einige zu nennen. Das setzt allerdings voraus, dass man genügend Platz für die Buchstaben hat. Allein das kurze Wort BAR erfordert schon deutlich mehr als drei Meter Platz. Außerdem verlangen diese kombinierten Objekte auch einen Raum, in dem sie ihre Wirkung entfalten können. Daher eignen sich Wörter vor allem für große Räume, für Firmen, Büros oder Lofts. Durch die Abdeckplatte, die eine Theke ergibt, lassen sich die Buchstaben eines Wortes auch wieder vielfältig kombinieren. Nach der kombinierten Verwendung kann man die verschiedenen Buchstaben auch wieder einzeln platzieren.

Das ist auch für den privaten Gebrauch die häufigste Verwendung. „Privatpersonen bestellen meistens einen Buchstaben. Natürlich sind auch die Initialien gefragte Kombinationen, aber der Einzelbuchstabe herrscht vor“, sagt Keller. Und welcher geht am besten? „Das M.“ Sicher nicht, weil nur Martin und Mathilde die Möbel bestellen, sondern weil er der einzige Buchstabe ist, der allein stehend im Prospekt abgebildet ist. Außerdem hat das M Charakter, es bietet viel Stauraum, ist in seinen Außenschenkeln recht konventionell und bekommt durch den Knick in der Mitte den rechten Kick. „So eine Abbildung gibt schon viel vor“, sagt Keller, „Aber eigentlich sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.“ Es sei denn, durch den Raum oder den Geldbeutel. Denn bei den Möbeln der Serie Set26 handelt es sich um hochwertig verarbeitete Schränke. Die Rundungen technisch exakt zu fertigen, ist schon eine Herausforderung. Insofern sind Buchstaben mit Rundungen auch gleich deutlich teurer.

Manche Buchstaben haben nur eine Tür, etwa das B oder das S, andere, wie das A, das H oder das M, sind mit zwei Türen ausgerüstet. H, M und N können maximal zehn Schubladen aufnehmen. Zu den Schubladen sind Einsätze für Besteck oder jeweils 30 CD lieferbar. Set26 ist in den Farben Weiß, Gelb, Rot, Blau, Stahlanthrazit und Alusilber erhältlich, wobei Weiß und Rot die Bestseller sind. I-Tüpfelchen der Kollektion sind das Pluszeichen und ein Punkt, ein Quadrat.

Schlaflose Nächte hat Erich Keller nicht mehr. Aber Set26 hat auch noch nicht die alten Umsätze ersetzt. „Wir kommen über die Runden“, zieht er eine erste Bilanz. Er hat einen Weg aus der Krise gefunden - mit einer pfiffigen Idee.

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