Kultur : Pädagogik für Peking und die Welt

Das Goethe-Institut plant mehr „German Bildung“

Klaus-Dieter Lehmann, der Präsident des Goethe-Instituts, hält die umstrittene deutsche Ausstellung zur „ Kunst der Aufklärung“ im Pekinger Nationalmuseum für „etwas exotisch“. Einem Großteil des chinesischen Publikums fehle für die in reiner Kunstform präsentierten Objekte und ihre thematische Bedeutung das Vorwissen. „Ich bin aber dagegen, die Ausstellung abzubrechen, weil das niemandem nützt“, erklärte Lehmann am Mittwoch in Berlin bei einer Pressekonferenz anlässlich des in diesem Sommer zu feiernden 60-jährigen Jubiläums des Goethe-Instituts. Daher unterstütze man die Ausstellung zusammen mit dem gerade neu berufenen Pekinger Institutsleiter Peter Anders durch ein museumspädagogischen Rahmenprogramm. Eine bis zum April 2012 laufende Reihe szenischer Lesungen von Texten Lessings, Goethes, Schillers, Büchners bis hin zu Sigmund Freud, Schnitzler, Brecht und Elfriede Jelinek soll Motive der Aufklärung (von der Toleranz bis zu Sexualität und Frauenemanzipation) konkret verdeutlichen. Auch chinesische Texte wie die des Dramatikers und Aufklärers Lu Xun werden einbezogen, und im Mai habe eine erste Lessing-Lesung im Nationalmuseum laut Lehmann 800 Zuhörer angezogen.

Bildung statt nur Bilder: Das könnte ein Motto auch für eine Vielzahl neuer Schwerpunkte sein, mit denen das Kulturinstituts mit seinen rund 150 Niederlassungen sowie zahlreichen Partnerschaften und außerinstitutionellen Netzwerken weltweit zur Stärkung individueller und zivilgesellschaftlicher Identitäten beitragen will. Für Nordafrika, den Nahen Osten und Südosteuropa plant man beispielsweise ein gemeinsames „Jugendparlament“, das zunächst in Kairo und Berlin tagen soll. Vom 17. bis 24. Juni wird in Berlin zudem ein Festival unter dem Titel „Vor dem Sturm“ mit aktuellen arabischen Kurz- und Dokumentarfilmen veranstaltet. Im Übrigen konzipiere man, in ironischer Anspielung auf den Begriff „German Angst“, eine internationale Offensive mit dem ungoethisch denglischen Motto „German Bildung“.

Eine Neuausrichtung soll auch das im Renovierungsumbau befindliche Goethe-Institut in New York erfahren. Die noble Adresse an der Fifth Avenue gegenüber dem Metropolitan Museum soll nach dem Vorbild der American Academy in Berlin-Wannsee zu einer „German Academy“ in den USA werden. P.v.B.

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