Kultur : Paik trifft Picasso

Vorbesichtigung im Auktionshaus Lehr

Michaela Nolte

Mit der Versteigerung von Kunst ostdeutscher Provenienz hat sich Irene Lehr seit nunmehr elf Jahren einen Namen gemacht. Auch bei der 22. Auktion ist diese mit Leinwänden von Bernhard Heisig (je 18 000 Euro) oder einer geradezu retrospektiven Auswahl von Werken Hermann Glöckners (300 bis 12 000 Euro) prominent vertreten, doch mehr und mehr tritt das Berliner Auktionshaus aus seinem Nischendasein heraus. Das Angebot von Malerei und Papierarbeiten aus dem gesamten deutschsprachigen Raum und aus rund 100 Jahren ist breit gefächert: vom frühen Karl Hofer, dessen subtile „Frau mit Kopftuch. Italienerin“ auf 18 000 Euro geschätzt ist, über einen als „Handdruck“ bezeichneten Farbholzschnitt aus den 50er-Jahren von Ernst Wilhelm Nay (9000 Euro), bis zu einem auf 12 00 Euro geschätzten Aquarell von Norbert Bisky aus dem Jahr 2000.

Zudem dürften eine Reihe internationaler Angebote die Sammler interessieren: Neben Eduardo Chillidas zehnteiliger Grafikmappe „Aromas“ (25 000 Euro) sticht hier noch eine „KIeine Meditation“, die Piero Dorazio 1963 dem Kunstkritiker Will Grohmann widmete, für 9000 Euro hervor. Vor allem aber darf man auf die Losnummer 400 gespannt sein. Mit Nam June Paiks „TV Rodin (le penseur)“ kommt eine marktfrische Trouvaille der Videokunst zum Aufruf. Der Ende Januar verstorbene Pionier der Medienkunst fertigte dieses überhaupt erste Video-Multiple in den Jahren 1976/78 an. Allein in Berlin ist das sinnierende Zwiegespräch der Rodin-Bronze mit ihrem Monitor-Live-Bild in diesem Jahr schon zum zweiten Mal öffentlich präsent: nach dem Medienkunstfestival „Transmediale“ zurzeit noch in der „Melancholie“-Ausstellung. Wer auf die Schlange vor der Neuen Nationalgalerie verzichten möchte und über das nötige Kleingeld verfügt, kann die Nummer zwei von insgesamt zwölf Exemplaren für geschätzte 25 000 Euro ersteigern.

Die Preisspitze führt indes ein frühes Gemälde von Max Ackermann an. Im gedämpften Kolorit reiht sich eine Menschengruppe um das „Grammophon (im Schallplattenladen)“ aus dem Jahre 1924 (30 000 Euro). Abgerundet wird das insgesamt 594 Lose umfassende Angebot von zwanzig Fayencen Pablo Picassos, die allesamt aus der Töpferei Madoura stammen, wo der spanische Großmeister 1946 erstmals zu Keramiken angeregt wurde (Taxen zwischen 300 und 5000 Euro).

Dr. Irene Lehr Kunstauktionen, Sybelstraße 68; Vorbesichtigung: bis 27. April, täglich von 12 – 19 Uhr, Versteigerung: Sonnabend, 29. April, ab 13 Uhr im Berlin Excelsior Hotel, Hardenbergstraße 14.

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