Kultur : Palast- Resolution

Eine

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von Christina Tilmann

Mit zeitgeschichtlichen Ausstellungen hat der Hauptstadtkulturfonds eher schlechte Erfahrungen gemacht. Als die Berliner Kunst Werke im vergangenen Jahr eine Ausstellung zum Thema „RAF“ planten, eskalierte die politische Diskussion so sehr, dass am Ende sowohl das Instrument Hauptstadtkulturfonds als auch die Position der Kuratorin zur Disposition standen. Kein Wunder also, dass man bei einem vergleichbar heißen Eisen nun vorsichtig sein will: Die Ausstellung, die der Historiker Jörn Düwel in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Historischen Museum für den „Palast der Republik“ plant, findet bei der Jury des Hauptstadtkulturfonds keine Zustimmung: „zu ideologisch“, lautet die Bewertung eines internen Papiers (siehe Seite 12).

Gebotene Vorsicht, möchte man meinen, an einem Ort, dessen Abriss oder Nutzung noch immer die Gemüter bewegt. Doch der Vorwuf gegen die Kultur-Events, die der Verein „Zwischenpalastnutzung“ seit Sommer im entkernten Bau veranstaltet, lautete stets: „zu unhistorisch“. Ein Kunst- und Spaßzirkus, der den öden Ort zwar blitzschnell zum Besuchermagnet machte, mit der Symbolkraft des Hauses meist jedoch wenig anzufangen wusste. Adrienne Goehler, Kuratorin des Hauptstadtkulturfonds, war neben Amelie Deuflhard von den Sophiensälen und Matthias Lilienthal vom „Hau“-Theater eine Hauptbefürworterin dieser künstlerischen Zwischennutzung – die sie gern fortgesetzt sähe. Wenn nun also eine Ausstellung, die sich mit der Geschichte des Palastes und ähnlicher Macht-Bauten beschäftigt, mit der Begründung zurückgewiesen wird, es könnten dann „parallel keine anderen Projekte stattfinden“, hat das zumindest den Geruch der Voreingenommenheit. Ideologisch kann man auch bei Spaßkultur sein.

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