Panorama : Bekämpft das System

„Tropa de Elite 2“, Nachfolger des Berlinale-Gewinners von 2008, läuft im PANORAMA. Bekämpft werden diesmal nicht Drogendealer, sondern das korrupte „sistema“.

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Den Vorwürfen begegnet Regisseur José Padilha offensiv. „Linke Dreckskerle haben mich als Faschisten bezeichnet“, sagt seine Hauptfigur Capitão Nascimento gleich zu Anfang aus dem Off. Und macht nach 120 packenden Minuten dann doch mit den „Dreckskerlen“ gemeinsame Sache. Denn der Feind sind diesmal nicht die Drogendealer in den Favelas von Rio de Janeiro, sondern das „sistema“: korrupte Polizisten, reaktionäre Medien und die politische Elite Rio de Janeiros.

2008 hatte Padilha mit dem Actionfilm „Tropa de Elite“ über eine Eliteeinheit der Polizei von Rio den Goldenen Bären gewonnen. Die Kritik warf dem Film damals vor, er nehme die Perspektive der Spezialeinheit Bope ein, die in den Favelas von Rio rücksichtslos Jagd auf jugendliche Drogendealer macht. Dabei übersah man, dass Padilhas Film einen Teil der brasilianischen Realität hyperrealistisch wiedergab, zudem auf den Aussagen von Bope-Mitgliedern basierte.

Mit „Tropa de Elite 2“ hat Padilha nun den erfolgreichsten Film der brasilianischen Kinogeschichte gedreht, den Vorgänger intelligent weitererzählt und an Komplexität übertroffen. Kameramann Lula Carvalho („City of God“), eine berstende Tonspur und das am Anschlag agierende Schauspielerensemble schaffen eine Unmittelbarkeit, der man sich kaum entziehen kann.

Die Story setzt 15 Jahre nach dem ersten Teil an. Weil die Bope bei der Beendigung eines Gefängnisaufstands Häftlinge erschießt, wird Nascimento (melancholisch-entschlossen: Wagner Moura) in den inneren Dienst von Rios Sicherheitsapparat versetzt. Seine Frau hat sich von ihm scheiden lassen und ausgerechnet den Menschenrechtler Fraga geheiratet. Gleichzeitig übernehmen Milizen, die sich aus Polizisten zusammensetzen, die Kontrolle über mehrere Favelas, erpressen Schutzgelder von deren Bewohnern und kaufen die Stimmen für Politiker, die wiederum behaupten, die Favelas von Drogengangs gesäubert zu haben. Als die Mafia dann aber beim Versuch, Fraga aus dem Weg zu räumen, Nascimentos Sohn verletzt, beginnt Nascimento sie zu bekriegen. Trotz des berechtigten Einwands gelegentlicher Plakativität, beschreibt der Film eine Entwicklung, die in den letzten Jahren in Rio tatsächlich stattgefunden hat und die von der Regierung als Fortschritt verkauft wird. Padilha ist erneut ein gutes Stück zeitgenössisches Kino gelungen: belehrend, unterhaltsam, bewegend. Nah dran.Philipp Lichterbeck

Heute 10.30 Uhr (Cinemax 7) und 21.30 Uhr (Kurbel); 13. 2., 14.30 Uhr (Cubix 9); 18. 2., 18 Uhr (Friedrichstadtpalast)

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