PANORAMA : Nacht der langen Messer

Nichts für Vegetarier. In "Der Knochenmann" mit Josef Hader rumpelt eine Knochenmahlmaschine - mitten in den Alpen.

Knochenmann
Alpenkrimi. Birgit Minichmayr und Josef Hader in "Der Knochenmann". -Foto: Berlinale

Mit der Liebe war der Brenner (Josef Hader) eigentlich schon durch. Mei, dann ist er halt allein. Aber jetzt das: Er hat diesen blöden Job als Handlanger vom Berti und muss in ein verschneites Alpenkaff fahren, weil dort einer seine Leasingraten fürs Auto nicht bezahlt hat. Vor der Backhendlstation Löschenkohl findet er das Auto, aber nicht den Typen, der zahlen soll. Also bleibt er erstmal da – und trifft die fesche Birgit (Birgit Minichmayr). Sie ist die Schwiegertochter vom Wirt und hilft mit in der großen Gaststätte. Als sie ihm am Morgen einen Kaffee macht, hat’s den Brenner voll erwischt. Und so wird er hineingezogen in den Sumpf einer seltsamen Familie, zu der auch noch der überambitionierte Wirt-Sohn Pauli gehört.

Nach „Komm, süßer Tod“ und „Silentium“ ist „Der Knochenmann“ Wolfgang Murnbergers dritte Adaption eines Brenner-Romans von Wolf Haas. Zusammen mit Haas und Hader hat er das Drehbuch geschrieben, das sich sehr weit vom Buch entfernt. Es spitzt die Geschichte auf ein in Zeitlupe ausgetragenes Fern-Duell zwischen Brenner und dem Wirt Löschenkohl (Josef Bierbichler) zu. Die grantigen Dialoge der beiden Klötze sind die Highlights dieses für Vegetarier eher schwer verdaulichen Alpen-Krimis, der angetrieben vom Rumpelrhythmus einer Knochenmahlmaschine zeitweise ins Splatterfach hinübergleitet. Auch Erinnerungen an „Fargo“ blitzen auf.

Genüsslich schlachtet Murnberger die Reize von Koch- und Fleischertätigkeiten aus, wobei er den Löschenkohl langsam zu einem echten Grusel-Monstrum aufbaut. Josef Bierbichler ist für diesen mit stumpfer Konsequenz immer brutaler werdenden Wirt schon durch seine imposante Statur die optimale Besetzung. Brenner hingegen bleibt erstaunlich lange von der Bildfläche verschwunden, erst zum großen Hackebeil-Finale in den Katakomben der Gaststätte trumpft er wieder auf. Eher zufällig gewinnt er letztlich gegen einen übermächtigen Gegner. Nur mit der Liebe, das bleibt schwierig für den Brenner. Nadine Lange

9. 2., 21.30 Uhr (Zoo-Palast 1), 10. 2., 12.30 Uhr (Cinemaxx 7), 11. 2., 17 Uhr (Cubix 9), 15. 2., 21.30 Uhr (Zoo-Palast 1)

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