PANORAMA : Pakethandel

Flucht auf dem Floß. Regisseur Chema Rodriguez begleitet Menschenschmuggler in Mexiko. Eine Dokumentation.

Coyote
Über den Fluß. "Coyote" heißt der Film von Chema Rodriguez. Es geht um Menschenschmuggel. -Foto: Berlinale

Der kleine Dicke mag ein Scherzkeks sein, unrecht hat er nicht. „Ich bin ein Künstler“, verkündet er. Sein Job besteht darin, Guatemalteken für viel Geld durch Mexiko in die USA zu bringen. Er ist ein Menschenschmuggler, ein sogenannter Coyote. Bei seinem letzten Kunststück hat ihn der spanische Dokumentarfilmer Chema Rodriguez begleitet. Herausgekommen ist eine spannende, mitunter komische, sehr pixelige Road-Doku, die einem vor allem Respekt vor dem Mut der Migranten abnötigt, die sich dem Schlepper in Guatemala-Stadt anvertrauen.

Die Gruppe besteht aus einer jungen Straßenköchin, einer Mutter zweier Kinder und einem 17-jährigen Musiker. Keiner hält es länger in Guatemala aus, die Perspektivlosigkeit ist unerträglich. Der Coyote gibt ihnen falsche mexikanische Ausweise, mit denen sie zunächst einmal durch Mexiko reisen sollen. Doch schon an der Grenze fallen die gefälschten Papiere auf, also besteigen die vier ein Floß, um den Grenzfluss zu überqueren.

Im mexikanischen Landesinneren werden sie getrennt, bevor man schließlich wieder zusammenfindet. Der Coyote wirft seinen „Paketen“ vor, sie würden sich wie Amateure verhalten und hat Weisheiten parat wie: „Der Geist ist wie ein Fallschirm. Er muss ständig geöffnet sein.“ Dann macht man einen Badeabstecher an den Pazifik, inklusive Romanze. Etwas später werden die vier ausgeraubt. Man wächst zusammen, und der Zuschauer vergisst fast, dass es sich um eine Flucht handelt. Rodriguez’ großes Verdienst ist es, dass er den Coyoten nicht als niederträchtigen Menschenhändler zeigt, sondern als Dienstleister der Migration, die dem Gesetz von Angebot und Nachfrage folgt. Die Geschichte geht dann nur für den 17-Jährigen gut aus, die Frauen werden von den US-Behörden wieder nach Guatemala ausgewiesen. Doch sie wollen es erneut probieren. Am Ende haut der Schlepper noch einen seiner Sprüche raus: „Eigentlich wollte ich ein Buch über meine Abenteuer schreiben. Aber weil keiner mehr liest, haben wir diesen Film gemacht.“ Philipp Lichterbeck

9. 2., 17.30 Uhr (Cubix 7), 10. 2. und 13. 2., jeweils 22.30 Uhr (Cinestar 7)

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