Panorama : Rot und Spiele

Lebendiges Bild einer Gesellschaft im Umbruch - Gangster mit Gefühl: "Monga" im Panorama.

von
Mafia
Der Mafia-Nachwuchs trainiert. -Foto: Berlinale

Mosquito (Mark Chao) ist neu in Monga. Auf der Schule bekommt er gleich am ersten Tag mächtig Ärger mit einer Halbstarkenbande. Doch er wehrt sich geschickt gegen die Angreifer, was wiederum eine andere Gang beeindruckt: Dragon Lee (Rhydian Vaughan) und seine drei Kumpels bieten ihm Schutz und einen Platz in ihrer Bande an. Mosquito macht mit. Schließlich hatte er noch nie Freunde. Und jetzt gehört der Sohn einer alleinerziehenden Friseurin plötzlich zu den coolsten Nachwuchsgangstern der ganzen Stadt.

Es ist der Sommer 1986 und alles sieht aus wie ein großer Spaß: Motorradausflüge, Saufgelage, Bordellbesuche und immer wieder Kloppereien mit verfeindeten Banden. Einmal ist fast die ganze Stadt an einer Schlägerei beteiligt, was zu einer der witzigsten und aufwändigsten Szenen von „Monga“ führt. Benannt nach dem ältesten Viertel Taipeis, das heute Wanhua heißt, entfaltet das 140-minütige Drama eine epische, berührende Geschichte um Freundschaft, Erwachsenwerden und die alles zersetzende Macht der Gewalt. Denn schon die dunkelrot hingespritzten Titel in der Anfangssequenz lassen keinen Zweifel daran, dass viel Blut wird fließen wird.

Die jungen Männer sind dazu verflucht, das brutale System ihrer Väter fortzuführen. So ist Dragon Lee der Sohn des mächtigen Mafia-Bosses Geta und damit automatisch selber eine Unterweltgröße. Er spielt gut Gitarre und wirkt fast, als sei er ein Rockstar. Auch sein treuester Mitstreiter Monk (Ethan Ruan) hätte das Zeug zu einer anderen Karriere: Dank seines überdurchschnittlichen IQs räumt er in der Schule sämtliche Auszeichnungen ab. Doch keiner der beiden denkt über Alternativen nach, denn Gangster sein, heißt mächtig sein. Für Mosquito, der seinen Vater nie kennengelernt hat, spielt das hingegen nur eine Nebenrolle: Er sieht in den Triaden vor allem eine Ersatzfamilie.

Die differenzierte Figurenzeichnung ist eine große Stärke von „Monga“. So viel Gefühl wie hier wird Gangstern im Genrefilm normalerweise selten erlaubt. Regisseur Doze, Niu Chen-Zer zeichnet in seinem zweiten Spielfilm überdies ein sehr lebendiges Bild einer Gesellschaft im Umbruch. Nach dem Ende des Kriegsrechts auf Taiwan drängen Festland-Chinesen in das Geschäft der lokalen Gangsterbosse. Sie bringen Feuerwaffen in die Unterwelt, in der bisher mit Schwertern und Fäusten gekämpft wurde. Auch Mosquito und seine Brüder können sich dem nicht entziehen – und plötzlich haben sie Blut an den Händen.

13. 2., 17 Uhr (Cubix), 16. 2., 18.30 Uhr (Zoo-Palast), 17. 2., 12.30 Uhr (Cinemaxx 7), 18. 2., 14 Uhr (International)

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