Kultur : Panorama: Tanz oder gar nicht

Kerstin Decker

Tafelmusik? Nein, eine Gewalttat. Musik als Blutsturz. So will der Belgier Gérard Corbiau den Klang des 17. Jahrhunderts. So will er - nicht zum ersten Mal ("Farinelli"!) - seinen Film "Le Roi Danse". Als Überwältigung. Nicht die Wiederauferstehung des Hofes als Zierrat, sondern als Naturereignis. Barock - das Wort klingt niemals wie eine Friedfertigkeit. Und Corbiau zeigt es.

Der König tanzt. Jeder Schritt ein ins Parkett gerammter Machtbeweis. Die Verschmelzung von König und Sonne. Sonnenkönig also. Um den geht es, und um seinen späteren Hofkomponisten Jean-Baptiste Lully. Der Tanz bindet beide zusammen, diese französischste aller Künste, wie Lully befindet. Die Liebe des Königs verliert er irgendwann, seinen Körper wird er immer besitzen - im Tanz. Denn bewegt er sich nicht auf ewig nach seinen Klängen? Wir nehmen die aufkommende Oper mit Augen und Ohren eines Barock-Tanzmeisters wahr. Und dazu den Freund Molière! Er starb bei einer Vorstellung des "Eingebildeten Kranken". Wunderbar, wie Corbiau das zelebriert. Da verzeihen wir sogar den Anhauch des Kunstgewerbes. Oder ist das nur - authentischer Barock?



0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben