Kultur : Panzerkreuzer Putin

Ein

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von Christina Tilmann

Erst ein Kippeln, ein Vor und Zurück, dann setzt sich das Gefährt in Gang, schwerfällig, grotesk. Die erste Stufe, die zweite, die dritte. Ganz langsam zunächst. Der Sog der Tiefe, das SichÜberschlagen der Ereignisse kommt später. Am Ende steht ein Schrei, ein stummer, doch sehr lauter.

Auch wer im Leben keinen Film gesehen hat, kennt die Szene aus Sergej Eisensteins legendären Stummfilm „Panzerkreuzer Potemkin“ von 1925. Die Treppe. Der Kinderwagen. Die schreiende Mutter. Maden im Fleisch. Meuternde Matrosen. Gewehrläufe, auf die Menge gerichtet. Schüsse. Und weiß, was daraus wurde. Revolution. Krieg.

Die Treppe befindet sich in Odessa. Von der Treppe aus sieht man das Meer. Die Flotte der Panzerkreuzer lag vor Odessa. Denn die Krim war nie nur der noble Kurort für lungenkranke Dichter wie Anton Tschechow, sie war Kriegsschauplatz. Die Krim gehört zur Ukraine.

Die Schwarzmeerflotte liegt dort immer noch, war Anlass für jahrelange Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine. Und die aktuellen Ereignisse in Kiew haben eine Dynamik wie bei Eisenstein. Proteste, die immer lauter wurden, immer umfassender, ein kollektiver Aufschrei. Erst geht es langsam los, dann ist es nicht mehr zu bremsen. Was Putin fürchtet, ist eine Revolte, auch in Russland. Keine rote, sondern eine orange.

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