Kultur : Papa ante portas

KINDERTHEATER

Julia Büttner

Landeier, die ausziehen, um ihr Glück in der Großstadt zu suchen, heißen Lolle. So ist das in der Fernsehserie „Berlin, Berlin“, und so ist das auch in dem Stück „Carl und das Mädchen vom Markt“ des Berliner Atze Musiktheaters . 13 Jahre alt ist Lolle, aufgeweckt, mutig – und von zu Hause abgehauen. Weil die Mutter nörgelt und der Stiefvater nervt. Carl dagegen ist ein echter Muffelkopp: Seit sich seine Frau zehn Jahre zuvor in einen anderen verliebt hat, klampft er jeden Tag auf einem Berliner Marktplatz traurige Lieder. Trotzdem kommen sich die beiden näher: Ihr richtiger Vater, erzählt Lolle, sei ein „Arschloch“. Seit sie drei war, hat sie ihn nicht mehr gesehen. Carl verteidigt dieses Verhalten, sie rennt wütend davon und Carl kapiert, was sich die Kinder im Publikum schon vor der Pause aufgeregt zuflüstern: „Der ist der Papa!“

Zum Glück hilft Käsefrau Hanna dem Schicksal beherzt auf die Sprünge. Sie liest Vater und Tochter die Leviten und stellt klar: Vor seinen Problemen wegzulaufen bringt nichts. Kein rosiges Happy-End, dafür eines, dass auch im richtigen Leben vorkommen könnte: Der Vater bringt die Tochter zurück nach Hause und verspricht, sie zu besuchen. Die Konflikte zwischen Scheidungskindern und -eltern packt das Stück kindgerecht an: Direkt, ohne nun unbedingt zum Problemstück zu werden, emotional, ohne gefühlsduselig zu sein. Verpackt in witzige Marktszenen und begleitet von Mitsing-Songs verdient das Stück den jubelnden Applaus der acht- bis dreizehnjährigen Besucher in der zum Theater umgebauten und frisch bezogenen Mensa des Max-Beckmann-Saals (10. bis 14. Dezember, Kartentelefon: 817 991 88).

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