Kultur : Paradise lost

Aussteiger in Indien: der Dokfilm „Hippie Masala“

Christina Tilmann

Der große Traum vom Glück, was ist geblieben? Ein ärmlicher Bauernhof, zwei Kühe, Ziegen, Gänse, in den kühlen Bergen ein Neubau im Rohzustand. Sanfte Bilder von Hügeln und Wolken, das wehmütige Gefühl, der letzte einer Generation zu sein – die Freunde starben längst weg. Ständige Auseinandersetzungen mit lokalen Behörden um Bleiberechte und Religionsausübung. Und vielleicht die Einsicht, dass nicht alles gut ist in diesem Land, in dem die Drogen billig sind und das Wetter immer schön. Die indischen Frauen zum Beispiel, mit denen sich viele Auswanderer eingelassen haben, leben kein einfaches Leben: ausgestoßen, ohne soziale Sicherung im Alter und Witwenstand. „Frauen haben es hier nicht leicht“, versteht selbst Robert aus Holland, und müht sich, seine Lebensgefährtin abzusichern. Doch viel Geld hat er nicht.

Robert, Hanspeter, Meera, Cesare, Erica und Gillian sind die letzten ihrer Art. Sechs von Tausenden von Hippies, die es in den siebziger Jahren quer durch Europa nach Indien zog. Die meisten kehrten nach einigen Jahren Selbsterfüllung zurück. Manche, wie Robert und seine Kollegen, blieben bis heute. Ihnen hat der Schweizer Dokumentarfilmer Ulrich Grossenbacher gemeinsam mit der Ethnologin Damaris Lüthi mit „Hippie Masala“ einen eher nachdenklichen als amüsanten Film gewidmet. Einen Film, der mindestens so sehr vom Scheitern der Lebensträume und der mühevollen Wirklichkeit erzählt wie von Freiheit, Ungebundenheit und Selbstverwirklichung. Denn sowohl der autoritäre Emmentaler Hanspeter, der sich in den Ausläufern des Himalaya als Bauer durchschlägt, als auch die durchgeknallten südafrikanischen Partygirls Erica und Gillian, die mit ihren selbst gefertigten Hippieklamotten von Markt zu Markt ziehen: Sie alle haben in der Fremde das weitergelebt, was sie auch zu Hause hätten haben können. Nur, dass in Indien das Wetter schöner und die Drogen billiger sind. Christina Tilmann

Blow Up, Eiszeit, Hackesche Höfe, Neues Kant (OmU)

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