Kultur : Pariser Louvre: Noch ein Schloss

Bernhard Schulz

Zum Louvre gehören die Nachrichten über weitere, neueröffnete Säle. Den offenbar unersättlichen Platzbedarf wollte Pierre Rosenberg, Président-directeur des Louvre, gar nicht leugnen, auch wenn er das Haus bei seinem Berliner Vortrag zu einem "kleinen Museum" verniedlichte. Man habe doch nur sieben Abteilungen! Aber auch mit sieben Abteilungen gehört Platznot zum Alltag. Umgerechnet zwei Milliarden Mark hat Präsident Mitterrand dem Grand Louvre (also doch!), wie dieses sein Grand projet in aller unmissverständlichen Kürze genannt wurde, Anfang der achtziger Jahre zur Verfügung gestellt, um die eigentümliche Mischung aus königlicher Bildersammlung und wissenschaftlichem Museum zu einem weltweit maßstabsetzenden Haus umzuformen. Und immer noch werden weitere Flächen gefunden und hergerichtet, als habe der Louvre zuvor als Abstellkammer dahingedämmert, die es nur zu entrümpeln gälte.

Eines Tages aber wird auch der letzte verfügbare Quadratmeter zu Museumszwecken hergerichtet sein, und dann wird man sich womöglich dessen entsinnen, was Rosenberg als Bemerkung fallen ließ: Hätte er den Mitterrandschen Geldsegen heute zur Verfügung, er würde "das Tuilerienschloss wiederaufbauen." Die Berliner Zuhörer waren verblüfft. Dieses 1564 begonnenen Bauwerk war - lange vor der Vollendung des auch erst unter Napoléon III. zu seiner jetzigen imposanten Größe herangewachsenen Louvre - ein Lustschloss der Könige und naturgemäß ein Symbol des verhassten ancien régime. Die aufständischen Kommunarden steckten es 1870 in Brand, und weil es ein Fanal sein sollte, zog es die nachfolgende Regierung der IV. Republik vor, die ausgeglühten Ruinen zu beseitigen und die Vergangenheit ruhen zu lassen, statt das Gebäude wiederzuerrichten. "Ich bin ganz sicher, dass das heute aufgebaut würde", bekräftigte Rosenberg, und wagte die Prophezeiung, dass es binn einer weiteren Generation geschehen werde. Die anwesenden Chefs der Stiftung Preußischer Kulturbesitz Museen werden es mit stiller Freude vernommen haben. Schließlich wollen sie die Bestände der Ethnografischen Museen in Dahlem in das Hohenzollern-Schloss verlagern, sollte es denn wiederaufgebaut werden.

In Frankreich, das begriff das staunende Publikum in der Rotunde des Alten Museums, hätte man mit einem solchen Rückgriff auf die glorreiche Geschichte keine Probleme. Das Tuilerienschloss ist ja auch erst seit 130 Jahren von der Pariser Bildfläche verschwunden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben