Parodie : Bis(s) zum Abwinken

Parodien auf Kultfilme sind selber Kult - und die Meyer-Verfilmungen geben am laufenden Band Steilvorlagen. Ein Vampirismus.

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Die Heldin hat sich unsterblich in einen unsterblichen Vampir verguckt, wird von einem muskulösen Werwolf angebastelt, von Blutsaugern verfolgt und steht vor der schweren Entscheidung, ob sie ebenfalls ein Vampir werden soll, weil ihr nachtaktiver Liebster die Ehe erst dann vollziehen möchte.

Kennen wir alles. Von Stephenie Meyers vier mormonenhaft sauberen, Millionen Mal verschlungenen Teenage-Lust-Vampirromanen wurden drei erfolgreich verfilmt. Robert Pattinson, der sexlose Vampir Edward, klebt mit seiner Undone-Frisur als Poster in sämtlichen Mädchenschlafzimmern. Was Koks den 80ern und Grunge den 90ern, sind Vampire den nuller Jahren.

Auf diesem Niveau sind die Witze aus „Beilight – Bis(s) zum Abendbrot“, dessen parodieerfahrenes Team sich der ersten zwei Folgen der Vampirsaga annimmt. Parodien auf Kultfilme sind selber Kult: „Scary Movie“, ebenfalls von den „Beilight“-Autoren, veräppelt ein ganzes Horrorgenre, „Date Movie“ die Romanzen. „Spaceballs“, Mel Brooks’ „Star Wars“-Parodie, zog nicht nur das Original durch den Kakao (oder durch den „Saft“, wie „die Macht“ in der deutschen Übersetzung hieß), sondern machte sich auch noch über George Lucas’ kontrollfreakige Merchandisestrategien lustig.

Das war der Mehrwert: „Star Wars“ gab es schon so lange, dass man als Fan genug Zeit hatte, sanfte Kritik reifen zu lassen. Auch die Horrorfilme, die für „Scary Movie“ Pate standen, hatten ihre beste Zeit längst hinter sich. Ob die Pattinson-Verehrerinnen, die dem letzten Teil der Romanze entgegenschmachten, schon jetzt in der Lage sind, über den „Beilight“- Quatsch hysterisch zu gackern?

Natürlich geben die Meyer-Verfilmungen am laufenden Band Steilvorlagen: Da wird der „lüsterne Blick in Zeitlupe“ verhohnepipelt, den sich Verliebte zuwerfen, auf Beccas (der Name der Bella-Parodie) MP3-Player heißen die Compilations „Loathe Life Mix“ oder „I hate life Mix“, und überhaupt spielt jeder schön seine Klischees runter, vom überforderten Vater bis zur besten Freundin. Derbe Furz- und Tittenwitze wechseln mit soundmäßig aufgemotztem Slapstick, bis man an „Eis am Stil“ denken muss.

Es ist wie beim Wein. Die Zeit muss reif und das giftig-romantische Versprechen in jedes geneigte Mädchenherz versprüht sein, auf dass die Blume des Bösen sich entfalten möge. Erst dann kann der edle Saft auch in Essig umkippen. „Beilight“ ist, wie das schwülstige Original, eine Veranstaltung für Fans. Und die müssen sich, nach dem Ende der Liebessaga, erstmal ausgeheult haben. Irgendwann in ein paar Jahren.

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