• Parteitag der FDP: "Hamburg wird ein Test für die neue Spitze" - Wolfgang Kubicki über Personen und Positionen der FDP

Kultur : Parteitag der FDP: "Hamburg wird ein Test für die neue Spitze" - Wolfgang Kubicki über Personen und Positionen der FDP

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Wolfgang Kubicki (49) ist Fraktionsvorsitzender der FDP im schleswig-holsteinischen Landtag.

Herr Kubicki, Sie wollen ein Team sein und schwächen sich gegenseitig mit schlechten Wahlergebnissen. Wen soll das überzeugen?

Parteitage haben immer eine Eigendynamik. Die Protagonisten und Gegner eines Projekts 18 mit Kanzlerkandidatur wollten sich inhaltlich nicht gegenseitig stärken oder schwächen.

Aber es sind doch lauter Animositäten deutlich geworden.

Ja, obwohl die unmittelbar vorher durch persönliche Gespräche bereinigt worden sein sollten. Vielleicht hätte man die Gespräche besser früher geführt. Der einzige, der gewissermaßen gottgleich über allen schwebt, ist der Bundesvorsitzende. Der hat auch ein entsprechendes Ergebnis erhalten - weil er beiden Protagonisten und ihren Anhängern signalisiert hat, dass er im Zweifel auf ihrer Seite steht.

Nun haben Sie jetzt eine Mission in ferne Galaxien vor. Muss sich da nicht einer blind auf den anderen verlassen können?

Ich denke, das wird auch so sein - als Ergebnis dieses Parteitages. Und Sie werden es bereits bei der Hamburg-Wahl sehen, dass das Projekt 18 Wirklichkeit wird, mit Guido Westerwelle und Cornelia Pieper an der Spitze. Da werden wir die Grünen zweistellig aus dem Feld schlagen. Ich bin hoch erfreut, dass Guido Westerwelle diese Wahl zu einer Art Volksabstimmung über die neue FDP-Führung und ihren Anspruch machen will. Er wird sich persönlich sehr stark engagieren und zeigen, wie die neue Spitze - anders als die alte - bei Wahlen wirkt. Die Hamburg-Wahl ist also dankenswerterweise auch ein Test für unsere Führung.

Wer soll Ihnen glauben, dass Sie Themen wie Bildung jetzt voranbringen, wo Sie doch schon 20 Jahre darüber reden?

Das Thema hatte bisher nicht den Stellenwert in der Gesellschaft. Ich kann mich noch erinnern, wie Hans-Dietrich Genscher vor etwa zehn Jahren beschimpft wurde, als er Elitenbildung forderte. Heute schreibt es Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Wolfgang Clement ins SPD-Grundsatzprogramm. Meinungsumfragen zeigen: Bildungspolitik steht ganz weit vorne. Und gerade weil wir uns seit zwanzig Jahren damit beschäftigen, haben wir bei diesem Thema eine höhere Glaubwürdigkeit als andere. Wo wären wir eigentlich heute, wenn man damals bereits auf die FDP gehört hätte?

Bedeutet Liberalität, auf Ängste der Menschen keine Rücksicht zu nehmen? Zum Beispiel bei der Gentechnik, da wollen Sie alles zulassen, wenn wir Wolfgang Gerhardt richtig verstanden haben.

Liberalität bedeutet das genaue Gegenteil: Angst macht unfrei. Und es ist Aufgabe einer liberalen Partei, nicht nur auf Chancen hinzuweisen, sondern sich der Risiken und der Ängste der Menschen anzunehmen. Das gilt gerade für die FDP, die rationale Entscheidungen möglich machen will. Sie muss alles tun, damit Menschen relativ angstfrei leben können, und das bezieht sich nicht nur auf den ökonomischen, sondern auch auf den sozialen Bereich. Die Gentechnik wird wie die Sterbehilfe unglaublich kontrovers diskutiert, weil die Menschen, vor allem Frauen, ein ausgeprägtes Gespür dafür haben, dass sich hier etwas entwickelt, das möglicherweise außer Kontrolle gerät.

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