Partyrückblick : Jetzt ist Feierabend

Die ersten Plätze und die letzten Gerüchte aus dem Nachtleben rund um die Berlinale 2008. Feierfreudigster Gast bei den Filmfestspielen in der Haupstadt war Schauspieler Udo Kier.

Elisabeth Binder[Sebastian Leber],Andreas Conrad[Sebastian Leber],Björn Seeling
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Sibel Kekilli feierte auf der Berlinale zusammen mit Regisseur Özgür Yildirim (l.) und ihren Schauspielerkollegen. -Foto: David Heerde

Die Büfetts sind geplündert, die Gläser geleert – die Berlinale ist seit gestern Partygeschichte. Letzte Gelegenheit für einen Rückblick. Wir präsentieren eine Auswahl der Tops und Flops der vergangenen zehn Tage:

Der feierfreudigste Gast. Schauspieler Udo Kier war vom roten Teppich gar nicht mehr wegzukriegen, Abgesehen von der Verleihung der Goldenen Kamera am Vorabend der Berlinale und dem Dauereinsatz auf der Fashionweek in der Woche davor, lief er bei Premieren des Stones-Films übers Rot, beehrte „Transsibirian“, „Fireflies in the Garden“ und „Time of the Comet“. Nicht zu vergessen die Partys der Berlinalesponsoren VW und Boss und der „Blue Hour“-Empfangs der ARD. Und alles nur aus Spaß.

Der beste Ausblick. Da können andere Clubs noch so aufwendige Dekos oder Lichtanlagen aufbauen – so viel zu sehen und staunen wie in der Puro-Lounge gibt es nirgendwo sonst. Der neue Laden liegt im 20. Stock des Europacenters, dank Rundum-Verglasung haben die Gäste einen 360-Grad-Panoramablick auf die nächtliche City-West. Diesmal fanden die Premierenparty von Doris Dörries „Kirschblüten“ und die „Wir lieben Kino Director's Cut“-Party hier statt. Wetten, dass die Lounge nächstes Jahr zur Berlinale jeden Abend ausgebucht sein wird?

Die größten Trittbrettfahrer. Die Werbetrommel war zwar bis in die Mongolei zu hören, doch am Ende fand die Madonna-Party im Bangaluu-Club ohne Madonna statt. Okay, versprochen hatte es keiner, dass Frau Ciccone dort auftaucht. Aber immerhin so getan als ob und mit einem Star Umsatz gemacht. Tröstlich, dass frech doch nicht weiterkommt: Madonna deklassierte die Aktion, indem sie das schrabblige Kaffee Burger dem gestylten Bangaluu vorzog.

Der beste DJ.Eigentlich ist Tobias Schlegl Moderator der Satiresendung „Extra 3“. Aber manchmal gibt er auch den DJ – und zwar mit Tanzgarantie. Wie bei der „Movie meets Media“-Party im Ritz: Schlegl schafft es, die Hits der Pointer Sisters mit Jan Delay und Mia zu mischen. Und immer spielt er „The time of my life“ aus Dirty Dancing und alle Anzugträger tanzen mit. Am Rand stehen geht nicht.

Der größte Abstieg. Vor drei Jahren ließ die Schauspielerin Bai Ling keine Berlinale-Party aus und erkämpfte sich durch gewisse Offenherzigkeit den Titel „Berlinackte“. Diesmal blieb sie dem Filmfest fern und wurde prompt in Los Angeles beim Ladendiebstahl erwischt. Sie wollte ein Paket Batterien und zwei Klatschmagazine klauen – im Wert von 16 Dollar. Dagegen hatten ihre Schmuddelauftritte in Berlin richtig Klasse!

Der coolste Ort. Minus-Grade im Iglu- Kern des Arctic Palace. Wodka aus Eisbechern am Eistresen trinken – wirksamer kann man nicht chillen. Nur auf den Eisbänken war es trotz der Steppmäntel ein bisschen frostig. Ben Kingsley und die anderen Stars des Abends machten aus ihrer Sympathie zu Berlin zwar kein Hehl, wollten aber nicht gleich festfrieren und feierten lieber in den angewärmten Räumen des Clubs.

Die späteste Stunde. „Midnight in Asia“ hieß die Party zum Film über die Berliner Philharmoniker und folgerichtig wurde zu vorgerückter Stunde gefeiert. Viele Fans des Orchesters waren aus dem Club-Alter schon raus, als es noch gar keine Clubs gab, sondern allenfalls Discos. Egal. Der Film über die Suche nach dem Einklang wurde heftig gefeiert, unter anderem mit Musik der für diesen Abend eigens gegründeten Formation namens „All-Star-Band“.

Die größten Erwartungen. Kaum einer verursachte bei Fans so viel Aufregung wie Bollywood-Ultrasupermegastar Sharuk Khan. Weil die Berlinale sich vor Anfragen zu seinem Auftritt nicht retten konnte, gab es eine Internetseite mit Antworten. Der wichtigste Punkt fehlte allerdings: Wo denn die Party zum Film „Om Shanti om“ sein sollte. Das blieb lange ein Geheimnis, Gäste wurden sogar wieder ausgeladen, um kurzfristig doch noch ins Behannon in die Dircksenstraße gelotst zu werden. Dort hielt der Inder kurz Hof, tanzte zu einem Lied aus seinem Film und verschwand wieder.

Der kultigste Imbiss. Leider unoriginell, aber wenn Stars Gourmets wären, dann wären sie nicht so dünn und hätten Probleme auf der Leinwand gute Figur zu machen. Vielleicht auch deshalb gab es bei der Mercedes Star Night die Borchardt- Schnitzelchen in Mini-Portionen, verabreicht mit einem Klacks Kartoffelsalat.

Die schönste Kulisse. Die gab es eindeutig bei der Boss-Party in Prenzlauer Berg. Die Mode-Experten haben einfach einen Blick für den Berliner Stil nach der Jahrtausendwende und inszenieren ihn sanft ironisch mit Riesenlampen und wunderbaren Sofalandschaften.

Die klebrigste Party. Was war schon von einer Feier zu erwarten, bei der auf der Straße ein Geländewagen der Protz- Marke Hummer stand, Reklame für einen der Gastgeber. Obwohl deren Attraktion, eine in Vanillesauce sich räkelnde Blondine, dann doch geschmacklich dazu passte. Von den drei uniformierten Damen, die bei Bedarf verspannte Glieder massierten, ganz zu schweigen.

Das diskreteste Outing. Beim großen Empfang der Filmstiftung Nordrhein-Westfalens zeigten sich Maybrit Illner und René Obermann zum ersten Mal bei einem gesellschaftlichen Anlass gemeinsam in der Öffentlichkeit. Viele Filmstars und NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers waren Zeugen.

Die engagiertesten Stars. Christopher Lee, Catherine Deneuvve, Waris Dirie, Hilary Swank und die per Video eingespielte Nicole Kidman zeigten bei Cinema for Peace, dass man nicht in Sack und Asche gehen muss, um sich wirksam gegen Unrecht zu engagieren.

Die längsten Gesichter. Die gab es beim misslungenen Versuch, einen „Berliner Filmball“ wiederzubeleben. Keine Stars außer Milva und die Stimmung am Ende fast so kühl wie der Arctic Palace. Nur nicht so cool.

Die goldigste Party. Sie war für den gestrigen späten Abend im Bärenclub geplant, sonst unter dem Namen Adagio bekannt – ein Fest für die Preisträger der Berlinale und geladene Gäste, „Festliche Abendgarderobe“ war Pflicht.

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