Kultur : Partyspiele

Die Berliner Nationalgalerie feiert junge Künstler

Nicola Kuhn

Eigentlich hätte sich nach dieser Ansprache der Boden öffnen und der Festredner wie Rumpelstilzchen in die Tiefe fahren müssen. Gerade hatte Christoph Schlingensief noch im Hamburger Bahnhof getobt, „Kriege, Crashs und Konfusionen“ heraufbeschworen, an denen allein sich die Kunst messen könne, und die Preisverleihung mit dem Kernsatz „Kunst kennt keine Sieger!“ für ergebnislos beendet erklärt, da sitzt er auch schon wieder brav in der ersten Reihe und schaut zu, wie Kulturstaatsministerin Christina Weiss („Ich bin hier nur das Nummerngirl!“) den Umschlag mit dem Namen des Preisträgers der Nationalgalerie für junge Kunst öffnet. Peter Raue, Vorsitzender des Vereins der Freunde der Neuen Nationalgalerie Berlin, dürfte dies mit Erleichterung registriert haben, denn laut seiner Vorstellung sollte an diesem Abend „des Jubilierens kein Ende mehr sein“.

Grund zu feiern gab es allemal, schon vor der Bekanntgabe der Siegerin, denn mit der Finalistenvorstellung von John Bock, Angela Bullock, An Saal und Monica Bonvicini hat der Hamburger Bahnhof eine ganz exzellente Ausstellung junger Berliner Kunst vom Verein der Freunde frei Haus bekommen. Ohne die zur Realisierung bereitgestellten 450000 Euro hätte Berlins Museum für Gegenwart aus eigenen Kräften weder eine solche Ausstellung noch ein solches am Londoner Turner-Preis orientiertes glamouröses Event zustande gebracht. Solch Schwäche spüren auch die – am Kunstmarkt allesamt hoch erfolgreichen – Künstler sehr genau, obwohl sie wissen, dass nur das Museum ihnen die entscheidenden Weihen für ein Überdauern über das nächste Jahrzehnt hinaus verleihen kann.

Und trotzdem stieß Preisträgerin Monica Bonvicini, die für ihre Installation aus Ketten und Lederschaukeln aus dem SM-Milieu den mit 50000 Euro dotierten Preis erhielt, ins gleiche Horn wie Christoph Schlingensief. Den symbolischen goldenen Schokoladentaler triumphierend über ihrem Kopf schwenkend, rief sie als (Party-)Schlachtruf aus: „Let’s burn the house!“ Spätestens da hätte sich der Boden am Rednerpult öffnen müssen.

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