Kultur : Passionen

Ulrich Clewing

findet drei Blumen im Dschungel Wenn im Fußball auf eigenem Platz gespielt wird, nutzt die Mannschaft den „Heimvorteil“, jenes diffuse Gemisch aus Zuversicht, Angriffslust und der Gewissheit, es beim Publikum leichter zu haben als die anderen. Dieses Wahrnehmungskonzept lässt sich anscheinend auch problemlos auf die Kunstszene anwenden: Heimspiel heißt die Aktion, die beweist, dass das Art Forum eine richtig erwachsene Messe geworden ist – bei all den Ablegern, die an diesem Wochenende ein Stück von der Aufmerksamkeit abhaben wollen. 28 Galerien von A wie Alexander Ochs Galleries bis V wie Völcker und Freunde nehmen am „Heimspiel“ rund um die Auguststraße teil, und viele davon halten nicht nur ihre Ausstellungen länger offen, sondern bieten Filmvorführungen, Führungen und Vorträge an (heute 14–21 Uhr, Sonntag 14–18 Uhr, www.heimspiel-berlin-mitte.de) . Besonders interessant dürfte die „Einführung in die Helsinki School“ in der Galerie Herrmann & Wagner werden (heute und morgen 16 Uhr, Koppenplatz 6) . Und auch in der Kunststiftung Poll geht es um Fotografie, dort ist Carl Einsteins Setzung „Aktualität ist Collaboration“ Ausgangspunkt, um „Thesen zur Fotografie des 20. Jahrhunderts“ unter die Leute zu bringen (heute 18 Uhr, Gipsstraße 3).

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Natürlich gibt es Berührungspunkte zwischen Fotografie und Video, doch meistens ist Letzteres das genaue Gegenteil des Ersteren . b4 play video nennt sich ein von Rafael Vostell und Barbara Blickensdorff initiiert es kleines Festival des bewegten Bildes, das gestern im Art Center Berlin begonnen hat (Friedrichstraße 134, bis 3.10., tägl. 16–24 Uhr) . Sechs Galerien zeigen ältere und neuere Filme von Künstlern wie Nam June Paik, Wolf Vostell, Stefanie Schneider und dem 1972 in Belgrad geborenen Dejan Kaludjerovic. Außerdem im Programm: ein Feature des aus New York stammenden, in Berlin lebenden Video-Pioniers Ira Schneider.

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Die dritte Sonderausstellung, die in diesen bewegten Tagen unbedingt Beachtung verdient, haben Künstler organisiert: Gerold Miller und Gerwald Rockenschaub laden in die kleine Wallstreet Gallery zur überbordenden Gruppenausstellung Passion beyond reason ein. Die Schau ist als Provisorium angelegt, um ihrem Gegenstand – die Verbindung von spontanem Experiment und subkultureller Erneuerung – gerecht zu werden. Rund 25 Künstlerinnen und Künstler sind dabei, darunter klingende Namen wie Sylvie Fleury, John M Armleder, Mathieu Mercier und Liam Gillick. Und wer sich noch an Gerold Millers großartige Ausstellung bei Medhi Chouakri erinnert, weiß, dass seine Passion ein Versprechen beinhaltet (Wallstraße 1, bis 11.11., Montag bis Freitag 11–19 Uhr).

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