Passionsspiel : Streit in Oberammergau

Die Bewohner des Herrgottschnitzer-Dorfes Oberammergau stimmen an diesem Sonntag in einem Bürgerentscheid wieder einmal über die Zukunft ihres weltberühmten Passionsspiels ab.

Passionsspiele Oberammergau
Mit Hängen und Würgen. -Foto: dpa

Oberammergau Die streitbaren Bewohner des Herrgottschnitzer-Dorfes Oberammergau stimmen an diesem Sonntag in einem Bürgerentscheid wieder einmal über die Zukunft ihres weltberühmten Passionsspiels ab. Es geht um die Frage, ob Jesus auf der riesigen Freilichtbühne in stockdunkler Nacht ans Kreuz geschlagen wird. Die rund 4000 Wahlberechtigten stimmen über die Uhrzeiten für die gut hundert Aufführungen mit zusammen einer halben Million Zuschauer ab. Regisseur Christian Stückl will das Spiel vom Leiden und Sterben Jesu Christi im Jahr 2010 aus dramaturgischen Gründen in den späten Abend ausdehnen. Nachts könnten etwa bei der Kreuzigung spezielle Lichteffekte genutzt werden, argumentiert der 45-Jährige. Das Ergebnis des Bürgerentscheids soll am Sonntagabend vorliegen.

Der Gemeinderat hatte Stückls Konzept voriges Jahr bereits abgesegnet. Doch in diesem Frühjahr regte sich Widerstand. Etliche Hoteliers, Gastwirte und Besitzer von Andenkenläden sind gegen das Nachtspiel, weil sie bei Beginn erst nachmittags Einbußen oder Mehrarbeit für ihre Betriebe befürchten. Einige Vermieter behaupteten gar, ihre Gäste könnten sich in der Dunkelheit verirren und den Weg in die Unterkunft nicht finden. Sie setzten den Bürgerentscheid durch.

Stückl beklagt Geschäftemacherei

Doch Stückl wirft seinen Gegnern pure Geschäftemacherei vor. Er deutete bereits an, bei einer Niederlage noch am Sonntag hinzuschmeißen und seinem Heimatdorf für immer den Rücken zu kehren. Die Theaterwelt sähe dies als herben Verlust an. Stückl, Intendant am Münchner Volkstheater, hatte sich nach 1990 vor allem mit der Inszenierung der Millenniums-Spiele 2000 international einen hervorragenden Ruf als Gestalter großer Massenszenen erworben.

Bürgerentscheide sind in dem oberbayerischen Alpendorf gang und gäbe: Seit Einführung des basisdemokratischen Votums durften die Einheimischen schon in einem halben Dutzend Urnengängen über Details "ihrer" Passion, etwa den Text, abstimmen. Die Spiele gehen auf ein Pestgelübde von 1633 zurück. Das ganze Dorf ist dafür auf den Beinen. Sie bescheren der Gemeinde alle zehn Jahre einen zweistelligen Millionengewinn. (mit dpa)

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