Kultur : Pastelltöne

Luftige Heiterkeit:  Das Van Baerle Trio in Berlin.

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Natürlich ist es sinnlos, Parallelen zwischen Musik und Wetter finden zu wollen. Trotzdem: Der Auftritt des Van Baerle Trio am Mittwoch in der Französischen Friedrichstadtkirche passt in seiner unbeschwerten, luftigen Heiterkeit hervorragend in diese Sommertage. Da ist Saint-Saëns erstes Klaviertrio in F-Dur, das sich das große Vorbild Beethoven nonchalant, arglos, „französisch“ aneignet. Schon hier fällt Maria Milsteins singender, dramatischer Geigenklang auf, mit dem sie den ganzen Abend tragen wird. Die Moskauerin hat Hannes Minnaar (Klavier) und Gideon den Herder (Cello) am Amsterdamer Konservatorium kennengelernt und mit ihnen 2011 den Kammermusikwettbewerb Lyon gewonnen. Nach Berlin sind sie auf Einladung des International Music Festivals gekommen.

Alles Lob ist gerechtfertigt: Die Koordination klappt hervorragend, das Spiel ist voller Klarheit und dennoch dramatisch, die Wechsel von pastellfarbener Weichheit zu packender Schärfe überzeugend – etwa in der nachtschattenen „Ackermusik“ von Theo Loevendie. Im „Trio über Irische Volkslieder“ von Frank Martin kommt der romantische, dunkel raunende Celloklang den Herders wunderbar zu Geltung, im zweiten Satz von Ravels Klaviertrio a-Moll gesellt sich Milstein mit verzückter, jeden Ton nachempfindender Miene dazu. Minnaars Klavier allerdings ist mehrmals zu präsent, deckt Passagen völlig zu. Ein lässliches Detail, schon verziehen, als das Trio seine Besucher in die wärmegesättigte Nacht des Gendarmenmarkts entlässt. Udo Badelt

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