Kultur : PATENTE

CHRISTINA TILMANN

Akkordeon, Bandoneon, Concertina, Organola, Sonetta, Harmonika - wer kennt den Unterschied? Eine Berufsgruppe jedenfalls, die von Hause aus eher der Technik als der Musik verpflichtet ist: Die Juristen vom Deutschen Patentamt sind vertraut mit allen "Vorrichtungen an Blasebalginstrumenten, um durch Niederdrücken einer Tastatur eine Anzahl harmonischer Töne erklingen zu lassen".Eine kleine Ausstellung im Foyer des Europäischen Patentamts (Gitschiner Straße 97, Montag bis Sonnabend 9 bis 18 Uhr, Eintritt frei) über Harmonikainstrumente im Spiegel der Patente beschäftigt sich mit dieser Schnittstelle zwischen Kunst und Recht.Das Musikinstrumentenmuseum lieh dazu rund 50 Instrumente aus 150 Jahren.Sechseckige Concertinas, quadratische Bandoneons, eine Organola mit Fußpedal, Tasten- und Knopfakkordeons, Mund- und Tischharmonikas machen einsichtig, warum das Patentrecht bei dieser variationsreichen Instrumentenart eine besondere Spielwiese fand.Das komplizierte Innenleben mit Knopfschiebern, Faltenbalg, Klappregistern, Stimmzungen, Führungsrechen, Verschlußdraht, Schenkelfedern und Lagernieten versteht wohl doch nur der Techniker.Und die die Ausstellung begleitenden Auszüge aus Patentschriften zeugen zwar von der hohen Kunst der Juristen, in wenigen Zeilen komplizierte Anordnungen mit über 25 Einzelteilen zu beschreiben, atmen dabei aber auch die unfreiwillige Komik des deutschen Amtsschimmels: Die "Vorrichtung an musikalischen Instrumenten zur Ausübung eines Zwanges auf die Zungen derselben" ist nur eine der Stilblüten.

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