Kultur : Patrouille Kunst

Die „Kunstfabrik am Flutgraben“ feiert sich mit dem GASAG-Preis

NAME

Die Fabrik von 1928 erinnert an ein Schiff, das am Ufer der Spree gestrandet ist. Genau hier, im Niemandsland zwischen Kreuzberg und Treptow, verlief die Grenze. Genauer gesagt zog sie sich mitten durch das Gebäude. In einem Tauschgeschäft wurde entschieden, dass der Reichstag dem Westen und die Fabrik dem Osten zufallen sollte. Daraufhin wurden die Fenster der Fabrik zugemauert, und die NVA patroullierte auf dem Dach. Von dort bietet sich ein einzigartiger Blick auf die Stadt. Bei der Betrachtung der Gegend um den geschichtsträchtigen, ja fast mythischen Ort wird heute jedoch niemand mehr an ein Irgendwo im Nirgendwo denken. Das liegt nicht nur an den ehemaligen Bootshäusern des Flutgrabens, die als Restaurant (Der Freischwimmer) und Bar (Club der Visionäre) in lauen Sommernächten scharenweise Menschen anlocken. Es liegt vor allem daran, dass in dem denkmalgeschützten Bau 1997 endlich wieder Leben eingekehrt ist.

Auf 4000 Quadratmetern entstand hier ein Forum für zeitgenössische Kunst. 60 Künstler erhalten die Möglichkeit, für wenig Geld lichtdurchflutete Atelierräume zu mieten. Die Interessen der Künstler bündelt der Verein „Kunstfabrik am Flutgraben“, der vor kurzem einen Vertrag unterzeichnet hat, der die Fortsetzung der größten Ateliergemeinschaft Berlins bis 2012 garantiert. Er kümmert sich zudem um die Vergabe der Räume sowie um die Organisation der Ausstellungen in der hauseigenen Galerie 2yk. In der zum Galerieraum umgestalteten Kantine wird heute der GASAG-Kunstpreis verliehen, Teil der in diesem Jahr beschlossenen Zusammenarbeit zwischen GASAG und Kunstfabrik. Die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung, die zudem den Ankauf von Werken in Höhe von 2500 Euro garantiert, geht an den Per Kirkeby-Schüler Carsten Fock. Neben dem Preisträger kamen die japanische DAAD-Stipendiatin Kei Takemura, der türkische Künstler Sencer Vardaman und Martin Eder in die engere Auswahl. Ihnen allen ist die sich an die Preisverleihung anschließende Ausstellung gewidmet, die bis 27.10. (Do bis So, 14-19 Uhr) in der Galerie zu sehen sein wird. Anna Schmitz-Avila

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben