PAUKEN & Trompeten : Ab in die Hecke

Jörg Königsdorf

Ach ja, Rheinsberg! Fast hatte man vergessen, dass um das schöne Schloss am See herum im Sommer Oper gemacht wird, so still ist es zuletzt um das einst so gehypte Festival geworden. Das hat auch kulturpolitische Gründe: War die bald nach der Wende vom Komponisten Siegfried Matthus installierte Kammeroper Schloss Rheinsberg in den Neunzigern ein gehätscheltes Vorzeigeobjekt für die kulturelle Aufbruchstimmung in den neuen Bundesländern, gibt es inzwischen selbst in Brandenburg einen Haufen Musikfestivals. Und während das Themenfeld „Klassik und junge Talente“ inzwischen wesentlich spektakulärer vom Young-EuroClassic-Festival in der Hauptstadt bedient wird, hat Rheinsberg eher mit dem Ruf zu kämpfen, den ihm randalierende Neonazis hinterlassen haben. Diesen schleichenden Bedeutungsverlust erkennt man auch am Programm selbst: Mit nur einer einzigen szenischen Produktion fällt das Opernangebot in diesem Jahr reichlich schmal aus.

Und während sich Rheinsberg früher immer auch an Raritäten gewagt hatte, geht man am Freitag mit der Premiere von Mozarts Don Giovanni lieber auf Nummer sicher (bis 14. August). Das mag zwar die Neugier mozartverwöhnter Hauptstädter in Grenzen halten, ist aber unter künstlerischen Gesichtspunkten gar keine schlechte Wahl. Denn ein „Don Giovanni“ hat den Vorteil, dass die jungen Sänger die Partien schon aus dem Studium und somit aus dem Effeff kennen. Und dann bietet das Heckentheater im Schlosspark für die Verführungsversuche des spanischen Edelmanns, den sich Mozart „jung und lüstern“ wünschte, auch noch die passende suggestive Naturkulisse.

Mit dem Cottbuser Intendanten Martin Schüler ist jedenfalls ein Regisseur am Start, der mit den Open-Air-Bedingungen fantasievoll umgehen kann. Und gegen die treuesten Festivalgäste, die sich allabendlich einstellenden Mückenschwärme, hat der Apotheker Ihres Vertrauens sicher ein Mittel parat.

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