PAUKEN & Trompeten : Acht auf einen Streich

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Vor einiger Zeit wurde hier erklärt, dass Chöre noch empfindsamer auf dirigentische Vorgaben reagieren als Symphonieorchester. Die Wechselwirkung ist eng: Wenig raumgreifende Bewegungen bei der Person am Pult halten die Stimme klein und schaffen Probleme beim Erreichen der Spitzentöne. Ein angespannter Oberkörper führt zu schlechter Einatmung im Ensemble und damit fast automatisch zu schlechter Intonation. Und dann erst die Geheimnisse der Interpretation!

Für alle, die noch weiter Einblick in diese Mechanismen erhalten möchten, kommt das ungewöhnlich anmutende Abschlusskonzert der Internationalen Meisterklasse des Rundfunkchors Berlin am Donnerstag wie gerufen. Ein Ensemble singt, acht verschiedene Dirigenten leiten es an. In diesem Jahr hat der Rundfunkchor seine Meisterklasse gemeinsam mit dem Choral Music Department der Yale University ausgerichtet. Neben dem in London geborenen Simon Halsey, Chefdirigent des Rundfunkchores, haben sich auch seine US-Kollegen Marguerite L. Brooks und Jeffrey Douma den Kursteilnehmern gewidmet und sie eine Woche lang in der Kunst unterwiesen, „ein Gespür für die atmosphärischen Signale ihrer Sänger zu entwickeln, für ihre Energien und ihr Potenzial an Enthusiasmus“, wie Halsey es formuliert. Acht junge Dirigentinnen und Dirigenten aus Belgien, Deutschland, der Schweiz, Norwegen, Spanien, Frankreich und den USA werden ihr neu erworbenes Können nun im Konzert in der St.-Elisabeth-Kirche zeigen, und zwar am Beispiel der crème de la crème der Chorkomposition. Auf dem Kursprogramm standen etwa Brahms’ „Schicksalslied“, Samuel Barbers grazil tönende „Reincarnations“ oder Arnold Schönbergs eigentümlich strahlendes Stück „Friede auf Erden“, geschrieben viele Jahre, bevor es zur Erfindung der Zwölftonmethode kam.

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