PAUKEN & Trompeten : Big is beautiful

Jörg Königsdorf

Wie Kontrabassisten wohl reagieren, wenn man den Namen Patrick Süskind erwähnt? Eher säuerlich vermutlich, denn das Mitglied dieser Berufsgruppe, das im bekanntesten Bühnenstück des „Parfum“-Autors monologisiert, ist nicht eben sympathisch: ein nörgliger Losertyp, der sein Instrument hasst und mit seinem unförmigen Kasten bei der angebeteten Sopranistin natürlich keinen Stich kriegt. Was daran stimmt, ist allein, dass Kontrabassisten die Orchestermusiker sind, die am wenigsten im Rampenlicht stehen: Während ihre Kollegen sich hin und wieder im Glanz solistischer Passagen und Konzerte sonnen dürfen, nimmt ihnen kaum jemand ab, dass ihr Instrument auch ausdrucksvoll Melodien spielen kann. Ein Vorurteil, das durch die Musik zweitrangiger Komponisten wie Dittersdorf und Vanhal, mit denen Kontrabassisten mangels Alternativen vorliebnehmen müssen, eher noch bestätigt wird.

Doch nun ist es Zeit, sich zu wehren: Diese Woche treffen sich Kontrabass-Spieler aus aller Welt an der Universität der Künste bei der BASS2010 und zeigen in etwa 80 Konzerten, Workshops, Meisterklassen und Vorträgen, was sie draufhaben. Schon beim Eröffnungskonzert am Dienstag im Konzerthaus kapern sie unter Leitung des ehemaligen Philharmoniker-Solokontrabassisten Nabil Shehata mutig Tschaikowskys für Cello gedachte „Rokoko“-Variationen. Und am Samstag gibt’s eine Aufführung des Süskind- Stücks. Was man als Zeichen von gewachsenem Selbstbewusstsein sehen kann.

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