PAUKEN & Trompeten : Blaue Krokusse brechen hervor

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Kaum bequemen sich die ersten Sonnenstrahlen vom Himmel herunter, da bilden sich vor den Eiscafés große Menschentrauben, eben ist die Saison der Passionen eingeläutet, da brechen hie und da die ersten frühsommerlichen, ganz und gar romantischen Konzertveranstaltungen durch wie Krokusse durch den kalten Märzboden. Blaue Krokusse natürlich, so ungefähr wie jene Blume, die Novalis’ schlaflosem Heinrich von Ofterdingen „unaufhörlich im Sinn“ liegt, „und ich kann nichts anders dichten und denken, so ist mir noch nie zumute gewesen“.

Nach der blauen Blume als Inbegriff der romantischen Sehnsucht benennt das Freiburger Barockorchester gleich einen ganzen Abend. In der Philharmonie spielt es am Dienstag Franz Schuberts „Tragische“ und Felix Mendelssohns „Italienische“ sowie Robert Schumanns „Introduction und Allegro appassionato“. Am Samstag folgt dem Orchester in Gedanken die preisgekrönte Sopranistin Silke Evers, die gemeinsam mit der Pianistin Wiebke tom Dieck in der Schwartzschen Villa Lieder aus Romantik und Spätromantik darbietet. Und wer fest daran glaubt, dass Gustav Mahler der Vollender der romantischen Tradition sei, wird am Mittwoch auf seine Kosten kommen, mit dem ausgesuchten Spektakel eines Arrangements der 9. Symphonie für Kammerorchester, das das 17-köpfige ensemble mini unter Joolz Gale in der Philharmonie spielt.

Bleiben die Passionen als saisongenaue Musiken, als beste und sinnlichste Kommunikatoren des vorösterlichen Geschehens. Bachs „Johannespassion“ gibt es schon heute in Lichtenb erg und am Samstag in Zossen, seine „Matthäuspassion“ heute in Zehlendorf und am Samstag in Potsdam und Tempelhof. In der Hedwigskirche dagegen singt man ebenfalls heute Carl Heinrich Grauns „Der Tod Jesu“, aus dem gleich nach der Uraufführung am Mittwoch der Karwoche 1755 ein richtiger, Verzeihung, Passions-Schlager wurde, der zumal die Berliner für Jahrzehnte gebannt hielt.

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