PAUKEN & Trompeten : Chin, Chin!

Jörg Königsdorf

Vor neun Jahren gelang Unsuk Chin etwas, wovon jeder Künstler träumt: Mit ihrem Violinkonzert schuf sie ein Meisterwerk, das ihre Existenz als Komponistin bestimmen sollte. Materiell, weil das Stück 2003 den mit 200 000 Dollar dotierten Grawemeyer Award erhielt und der Wahlberlinerin damit eine komfortablere Existenz ermöglichte. Aber auch, weil das weltweit nachgespielte Konzert reichlich weitere Aufträge nach sich zog. Chin war auch vor ihrem Hit schon eine ausgezeichnete Komponistin, aber für den Durchbruch braucht es offenbar etwas, das die Qualitäten eines Künstlers so konzentriert zum Ausdruck bringt, das jeder sie auf Anhieb erkennt. Bei Chin kam zur raffinierten Klangkultur eine Dramatik, die schon bei der Uraufführung in der Philharmonie begeisterte. Mutig dennoch, dass Myun-Whun Chung und sein Seoul Philharmonic Orchestra beim Gastspiel im Konzerthaus am Mittwoch nicht etwa ein Konzert von Bruch oder Mendelssohn aufs Programm gesetzt haben und neben Chins Violinkonzert (mit der Solistin der Uraufführung, Viviane Hagner) auch noch ihr Konzert für Sheng, die chinesische Mundorgel, präsentieren. Chins wichtigster Förderer ist bis heute Kent Nagano, der nicht nur das Violinkonzert und ihre Oper „Alice“ bestellte, sondern für sein Montrealer Orchester auch das Orchesterwerk „Rocaná“ in Auftrag gab. Ehrensache, dass der Ex-Chef des DSO dieses Werk am 8. Juni in der Philharmonie vorstellt. Fehlt im Chin-Reigen eigentlich nur noch das neue Cellokonzert, das letzten August bei den Londoner Proms uraufgeführt wurde – ein Werk, das an emotionaler Intensität das Violinkonzert sogar noch überragt.

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