PAUKEN & Trompeten : Darf ich bitten?

Jörg Königsdorf

Die Matinee, mit der das Musikinstrumenten-Museum am kommenden Sonntag seine Saison abschließt, sollte eigentlich eine ganze Menge Musiker beunruhigen. Denn auf dem Programm des französischen Ensembles L'Achéron stehen nicht nur Werke von Komponisten wie Marin Marais und Francois Couperin, sondern das Besondere ist, das zu dieser Musik auch getanzt wird. Beunruhigen müsste das viele Musiker, weil es sie daran erinnert, dass sie zwar brav ihren Bach, Händel und Mozart lernen, aber eine wesentliche Dimension der Kompositionen komplett ausblenden. Denn viele Stücke des 18. Jahrhunderts sind nun einmal Tänze und die Komponisten hatten die Rhythmen ihrer Sarabanden und Menuette ebenso im Blut wie all ihre Zeitgenossen. Woraus zu folgern ist, dass man diese Stücke eben auch so spielen müsste, dass man dazu tanzen kann und jeder, der eine Bach-Partita einstudiert, einen Kurs in barockem Tanz belegen müsste. Bei den tiefgründelnden Meditationen, die die meisten Pianisten aus Bachs Sarabanden machen, würden Tänzer glatt umfallen, und selbst Tanzprofis müssten bei den Turbo-Couranten von Perahia, Schiff und Co ein immenses Verletzungsrisiko in Kauf nehmen. Das gilt natürlich für das walzerverrückte 19. Jahrhundert ebenso, und wahrscheinlich würde eine allgemeine Tanzpflicht für Musikstudenten den Unterhaltungswert ihrer Interpretationen nicht unerheblich steigern. Also, liebe Pianisten: Warum nicht mal eine Mazurka und eine Polonaise tanzen, wenn man sich schon sein ganzes Leben mit Chopins Stücken herummüht? Schließlich sind die Chopin-Aufnahmen von Rubinstein und Friedman sicher auch deshalb unübertroffen, weil beide von Kind an die polnischen Tänze kannten. Nun wird dieser Appell ebenso verhallen wie viele andere sinnvolle Anregungen, aber der Besuch der Matinee wäre ja immerhin ein erster Schritt.

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