PAUKEN & Trompeten : Das lange Leben der Kurzhalslaute

Man muss schon etymologischen Spürsinn besitzen, um zu ahnen, dass "Laute" ursprünglich vom arabischen "al-ud“ stammt. Jörg Königsdorf über transokzidentale Klänge.

Jörg Königsdorf

Das Instrument war von so zentraler Bedeutung für die europäische Musikkultur von den Troubadours bis zum Barock, dass gerne darüber hinweggesehen wurde, dass es vom muslimischen Gegner erfunden worden war. Der Legende nach reiste die Laute vor gut tausend Jahren mit den omajadischen Kalifen von Bagdad nach Córdoba und wurde anschließend sozusagen über die Pyrenäen weitergereicht. Mit dieser Geschichte ist sie natürlich das ideale Instrument für den interkulturellen Musikdialog, zumal der Weg von der improvisationsorientierten Spielweise, die die muslimischen Virtuosen der Oud pflegen, zum Jazz kurz ist. Das Ergebnis kann so klingen wie beim Anouar Brahem Quartet, das am kommenden Sonntag das Abschlusskonzert des „Shared Sounds“-Festivals (www.sharedsounds.de) im Radialsystem bestreitet: mit Rhythmen, Melodien und Klangfarben, in denen die Elemente von Jazz und klassischer islamischer Musik friedlich nebeneinander koexistieren und miteinander reagieren.

Die Grenzüberschreitungen zwischen Orient und Okzident sind in diesem Jahr Schwerpunkt des kleinen Festivals – drei der sieben Konzerte, die von Donnerstag bis Sonntag auf dem Programm stehen, sind dem Thema gewidmet. Auch das Eröffnungskonzert, das jene glanzvolle Epoche wieder heraufzubeschwören versucht, in der sich Christen, Moslems und Juden so erstaunlich gut vertrugen: „Imaginäre Folklore aus dem alten Andalusien“ nennt der norwegische Pianist Jon Balke sein Projekt, für das er unter anderem die marokkanische Sängerin Amina Alaoui, den arabischen Geiger Kheir-Eddine M’Kachiche und das Hamburger Elbipolis-Barockorchester versammelt hat.

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