PAUKEN & Trompeten : Der Traum des Komponisten

Jörg Königsdorf

Mit seiner Phaedra erfüllte sich Hans-Werner Henze vor knapp anderthalb Jahren einen Herzenswunsch. Eine Uraufführung an der Berliner Staatsoper, hatte Deutschlands berühmtester Komponist auf die Frage geantwortet, was er in seinem kreativen Restleben noch erreichen wolle – und wer im Herbst 2007 bei der Premiere mit dabei war, kann sich sicher noch daran erinnern, wie der greise Henze den enthusiastischen, lebenswerkwürdigenden Beifall des Publikums genoss. Und auch die Staatsoper musste es nicht bereuen, dem Mann einen Gefallen getan zu haben: Deutschlands Opernkritiker erkoren das jüngste Henze-Opus zur „Uraufführung der Saison“.

In gewisser Weise war die Auszeichnung der „Phaedra“ natürlich auch eine Anerkennung der Leistungen von Intendant Peter Mussbach. Immerhin hatte die Staatsoper unter seiner Ägide so viele Uraufführungen gestemmt wie kein anderes Opernhaus weltweit. Weniger schön war freilich, dass Mussbach die neuen Werke immer auch selbst inszenieren wollte. Mussbachs prätentiöse Personenführung war auch bei „Phaedra“ der Wermutstropfen, der den Premierenerfolg allerdings kaum verwässern konnte.

Dass die Staatsoper Henzes Kammeroper nach der kommenden Freitag, 16. 1., beginnenden Aufführungsserie ad acta legt, hat jedoch nichts mit einem Abgrenzungsprozess von Mussbachs Hinterlassenschaften zu tun, sondern liegt daran, dass sich das Bühnenbild des isländischen Künstlers Olafur Eliasson nicht in einen normalen Repertoirebetrieb einpassen lässt. Der UdK-Professor entwarf für die Tragödie einen komplexen Spiegelraum und ließ einen Laufsteg durch das Parkett bauen. Aufgrund dieser Lösung, bei der das 23-köpfige Orchester im Zuschauerraum sitzt, finden die „Phaedra“-Aufführungen auch quasi en suite (bis auf eine eingeschobene „Carmen“ am Sonntag, 18. 1.) statt. Am Dienstag, 20. Januar, endet Henzes Lindenoperntraum endgültig.

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