PAUKEN & Trompeten : Die Mühen der Ebène

Jörg Königsdorf

Während all der Zeit, die sie mit dem Üben von Haydn, Beethoven und Bartók verbrachten, sei es immer ihr Traum gewesen, durch Improvisation einen neuen Zugang zum Quartettspiel zu eröffnen, schreiben die Musiker des Quatuor Ebène auf ihrer Website. An der Verwirklichung dieses Traums haben die vier Franzosen etliche Jahre gearbeitet und sich unter dem Arbeitstitel The other Ebène ein Programm aus Jazz-, Pop- und Filmmusik zurechtgeschneidert. Miles Davis, Chick Corea, aber auch eine rasante EbèneAdaption von „Pulp Fiction“ sind dabei. Dieser ursprünglich für einen Auftritt in einer französischen Fernsehshow entstandene Turbo-Tarantino ist auch schon auf Youtube nachzuhören.

Das Ausleben dieser anderen Seite hat den Ebènes – neben dem puren Spaß, den das Programm macht – einen neuen Zugang zum klassischen Repertoire eröffnet. Selbst wenn sie in einem HaydnQuartett nicht improvisieren können, darf die Musik doch so klingen, als ob sie gerade in diesem Moment aus einem spontanen Dialog heraus entstehen würde. Oder auch Bartók: Dessen Quartette besitzen bei den Ebènes einen ganz anderen rhythmischen Drive, der unter anderem daher rührt, dass Cellist Raphael Merlin sich bei seinem Spiel deutlich vom Jazz-Kontrabass inspirieren lässt.

Kein Wunder, dass die Ebènes derzeit weltweit als Offenbarung gefeiert werden – in seiner Kombination aus Lebendigkeit, Virtuosität und hinreißendem Klang ist ihr Spiel konkurrenzlos. Deshalb sollte man beide Seiten des Quartetts kennenlernen: die klassische, die sie am Mittwoch im Kammermusiksaal mit Werken von Mozart, Mendelssohn und Debussy präsentieren. Und die andere, die am Abend zuvor im A-Trane an der Reihe ist. Voilà!

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