PAUKEN & Trompeten : Die Sprache der Gefühle

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Warum überhaupt gibt es Musik? Die Götter haben sie natürlich als ein Mittel heruntergeworfen, um die vollkommene Ordnung des Kosmos zu verstehen, Oktave, Quinte, Quarte, Tag folgt auf Nacht, die Planeten ziehen ihre Bahnen. Vielleicht kam Musik auch in die Welt, um in vorsprachlichen Zeiten Gefühle wie Trost, Freude oder Trauer zu kommunizieren; die Romantiker haben darüber nachgesonnen und vermutet, Musik könne besser und deutlicher sprechen als die Sprache selbst. Möglicherweise bedeutet Musik überdies einen Standortvorteil bei der Fortpflanzung, schließlich zeigt, wer gut musiziert, dass er nicht ganz auf den Kopf gefallen sein kann. Und dann noch die vielen anderen Gründe: laute Klänge, um die Nachbarn aggressiv zu machen. Eine Schlosskapelle, um zu protzen. Den Musikgeschmack, um sekundenschnell abschätzen zu können, ob man Freundschaft mit jemandem schließen möchte.

Und die Zeitkunst „Musik“, um besser mit Stille und Leerlauf umzugehen: Bach schrieb seine Goldberg-Variationen, damit der russische Gesandte am Dresdner Hof sie in Zeiten quälender Schlaflosigkeit würde hören können. Von all dem wird der Freitagabend ab 22 Uhr 30 in der Philharmonie Zeugnis ablegen mit der ersten Ausgabe der philharmonischen Late Night. Erstens ist er nichts für Früheinschläfer. Zweitens wird sich rasch herausstellen, wer genau auf das Repertoire der klassischen Moderne anspricht, die Stücke von da Falla, Dallapiccola und Berio. Drittens wird alles vom Feinsten sein, es musizieren Magdalena Kožená und der philharmonische Soloposaunist Olaf Ott, dazu weitere Mitglieder der Berliner Philharmoniker, unter der Leitung von Sir Simon Rattle. Von der Vorzügen der Musik als Mittel zur Beziehungsanbahnung spricht dieser Abend dabei ganz von selbst, und die Vollkommenheit der Welt scheint auch in ihm auf, zum Beispiel in den Versen von Dallapiccolas kleiner Nachtmusik.

„Schön ist die Sommernacht,“ heißt es hier, „Im Zenit steht der Mond, und auf dem Turm ist das Zifferblatt der Uhr erleuchtet“. Dass am Ende trotzdem viele Fragen offenbleiben, zeigt die „Sequenza V“ von Luciano Berio. „Why?“ wird Ott ins Publikum sprechen, so, wie es der legendäre Clown Grock einst tat, dessen Kunst Berio zu seinem Soloessay über die Möglichkeiten der Posaune inspirierte.

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