PAUKEN & Trompeten : Dreh’ dich nicht um

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Echte Traumpaare gibt es selten in der Musik, das einzige echte wäre ein sagen- und märchenhaftes, das wiederum aus naheliegenden Gründen gar kein Paar sein kann: Cäcilie, die Heilige der Kirchenmusik und der große Orpheus, der so schön sang, dass selbst die Götter der Unterwelt sich erweichen ließen und ihm seine längst verstorbene Geliebte Eurydike wiedergaben. Dass sich Orpheus beim Weg in die Oberwelt gegen das Gebot nach ihr umdrehte und nur noch feststellen durfte, wie sie sofort wieder zurücksank, mutete zwar auch Claudio Monteverdi dem Publikum zu, doch kamen die beiden in seinem Orfeo von 1607 am Ende glücklich im Himmel zusammen. Und blieben es auch.

Für Jahre getrennt von ihren Kindern blieb dagegen jene Mutter, von der Kleist in seiner Novelle „Die heilige Cäcilie oder Die Gewalt der Musik“ berichtete. Ihre vier Söhne lebten zwar noch, doch hatte das Wirken der Cäcilie sie in ihren Lebensplänen so beeinflusst, dass sie fortan selbst eine Art heiliges Leben führten, an einem Tisch saßen und von Zeit zu Zeit sangen, „mit einer Stimme, welche die Fenster des Hauses bersten machte“. So schön wie bei Orpheus geht es eben nicht immer. Wie die Elektro- Punk-Musikerin Peaches sich hier machen wird? Am Dienstag feiert im HAU 1 eine Neuproduktion von Monteverdis „Orfeo“ Premiere, bei der sie als Orfeo im Mittelpunkt steht. Der erste Abend ist ausverkauft, doch Karten gibt es noch für die Folgeaufführungen am Mittwoch, Freitag und Samstag. Es verwundert nicht, dass die stets zu Gender-Experimenten aufgelegte Peaches den „Orfeo“ dafür nutzen möchte, sich den Traumpaaren dieser favola in musica zu nähern, dem ehelichen Miteinander des Unterwelt-Königspaars und der noch jungen Liebe zwischen Orpheus und Eurydike.

Sehr beschützt, geradezu umschmeichelt von Wohlklang darf sich dagegen am Dienstag die Heilige Cäcilie fühlen. Im Konzerthaus führen das Rheinberger Orchester Berlin und der Chor der Johanneskirche Schlachtensee mit einigen Solisten, darunter Stephanie Petitlaurent und Jonathan de la Paz Zaens, unter der Leitung von Stefan Rauh die groß besetzte Messe solennelle in G-Dur von Charles Gounod auf. Wegen ihrer Widmung an die Patronin der Kirchenmusik wird die Komposition „Cäcilienmesse“ genannt, und auch hier scheint die Heilige selbst ihre Finger im Spiel gehabt zu haben, denn tatsächlich ist die Messe in den gut 150 Jahren, die seit der Uraufführung in Paris vergangen sind, zu den beliebtesten geistlichen Werken überhaupt avanciert.

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