PAUKEN & Trompeten : Du hast die Haare schön

Nennen wir es den David-Garrett-Effekt: Seit der Junggeiger zum Popstar der Klassikszene aufgestiegen ist, sind die Erfolgschancen für gut aussehende junge Männer, die auch noch das Violinspiel beherrschen, eindeutig gestiegen. Aus den USA steht uns beispielsweise ein Jüngling namens Charlie Siem bevor, der gerade bei Warner seine erste CD herausgebracht hat, und Sony schickt derzeit den ebenfalls adretten Ray Chen, den Gewinner des letzten Brüsseler Reine-Elisabeth-Wettbewerbs, auf Markteroberungstour durch die Konzertsäle Europas. Am Donnerstag macht der Australier im Kammermusiksaal Station und führt das Programm seiner CD „Virtuoso“ vor.

Der Garrett-Effekt ist zwar einerseits ein Akt ausgleichender Gerechtigkeit, nachdem infolge des Vanessa-Mae-Effekts lange gut aussehende Geigerinnen die besseren Chancen hatten. Dennoch drängt sich der Verdacht der Austauschbarkeit auf. Tatsächlich gibt es schon mehr als genug GeigerInnen, die die schwierigsten Stücke in atemberaubendem Tempo heruntersäbeln, aber nur ganz wenig markante Interpretenpersönlichkeiten, die Musik zum Sprechen bringen können. Dass Patricia Kopatchinskaja zu diesen wenigen gehört, weiß jeder, der sie einmal erlebt hat. Die Frau aus Moldawien, die sich selbst als „Wildsau“ der Geigerszene bezeichnet, macht sich jedes Stück, das sie spielt, ganz zu eigen, setzt einen Klassiker wie Beethovens Kreutzersonate unter Starkstrom. Selbst vermeintlich sperrige zeitgenössische Werke werden bei Kopatchinskaja zur intensiven Klangrede. Man kann sicher sein, dass sie am Montag in der Philharmonie mit der Jungen Deutschen Philharmonie auch Prokofjews erstes Violinkonzert zum Glühen bringt.

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