PAUKEN & Trompeten : Duo duplo

Jörg Königsdorf über verlorene Geiger und fliegende Wechsel

Jörg Königsdorf

Das vergangene Jahr war für das Artemis-Quartett wohl das schwierigste in seiner 13-jährigen Laufbahn: Erst kam der zweite Geiger Heime Müller abhanden und kurz darauf verabschiedete sich auch noch der Bratscher Volker Jacobsen. Das Quartett war plötzlich zum Duo herabgeschmolzen und die verbliebene Artemis-Hälfte musste sich dringend nach Ersatz umsehen. Die ersten Konzerte mit den Neumitgliedern Gregor Sigl (Violine) und Friedemann Weigle (Viola) erhielten zwar von der „FAZ“ schon höchstes Lob, aber dennoch schaut das neu formierte Quartett auf den Plakaten, die ihr erstes Berliner Saisonkonzert ankündigen, reichlich beklommen in die Zukunft. Das vor der nächtlichen Kulisse am Potsdamer Platz aufgenommene Gruppenbild vermittelt allerdings noch eine andere Botschaft: Die Besetzung mag sich geändert haben, aber das Image des modernen Großstadtquartetts, das die Artemis-Musiker in den letzten drei Jahren so erfolgreich prägten, bleibt erhalten. Dazu gehört natürlich, auch weiterhin mit ungewöhnlichen Programmen zu überraschen: Ein Anspruch, den heute Abend im Kammermusiksaal neben Beethovens frühem Opus 18 / 5 ein Quartett des Schostakowitsch-Zeitgenossen Nikolai Kapustin und das zweite Tschaikowsky-Quartett einlösen sollen.

Dafür, dass das Ensemble auch weiterhin harmonieren wird, spricht vor allem die Erfahrung der Neueinsteiger: Artemis-Bratscher Friedemann Weigle hat in seinen 28 Jahren beim Petersen-Quartett schon so manche Umbesetzung mitgemacht – von der einstigen ersten Geigerin Ulrike Petersen beispielsweise, mit der sich das Ostberliner Quartett in den achtziger Jahren international etablierte, ist nur noch der Name geblieben. Eine Mahnung übrigens, dass Quartette in Zeiten größerer Personalfluktuation vorsichtiger mit der alten Sitte verfahren sollten, sich einfach nach dem ersten Geiger zu benennen. Mal ganz abgesehen davon, dass das immer einen etwas autoritären Beigeschmack hat, der sich nur schwer mit dem Ideal von vier gleichberechtigten Musikern in Einklang bringen lässt.

Ob Weigle beim Konzert des Petersen- Quartetts im Kammermusiksaal noch mit von der Partie sein wird, war auf der Website des Quartetts leider nicht zu erfahren. Das Programm spricht allerdings eher für einen Testlauf mit neuer Besetzung, denn bis auf Schumanns drittes Streichquartett steht am Donnerstag nicht das Quartett im Zentrum des Geschehens, sondern die Sopranistin Christiane Oelze, die Lieder von Mendelssohn und Schumann in Bearbeitungen von Aribert Reimann singen wird.

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