PAUKEN & Trompeten : Eier löffeln, Ohren öffnen

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Madonna mia, was ist das?! Mitten in der Nacht fahren wir in unseren Betten hoch. Direkt vor der Ferienwohnung entlädt sich kakofonischer Krach: Eine Tuba hupt, röchelnd quälen sich Hörner durch Dreiklänge, Trompeten und Klarinetten fahren in fremden Tonarten dazwischen. Klingt so das Jüngste Gericht?

Ach nein, es ist nur die banda, der örtliche Spielmannszug, der sich zu unchristlicher Zeit für eine religiöse Pflichtübung warm macht, die frühmorgendliche Karfreitagsprozession durch das italienische Sorrent nämlich. Nach dem Einspielen kehrt zunächst wieder Ruhe ein, denn der Umzug startet in der Altstadt. Bald aber bohren sich erneut Töne in die Träume, ganz sanft erst, dann immer präsenter, ein Stück in Endlosschleife, schön traurig, düster-rumpelig wie ein Trauermarsch aus einer frühen Verdi-Oper. Dazwischen erheben sich brüchige Männerstimmen in archaischem, melodielosem Singsang.

Auch in Berlin gab es am Karfreitag eine Prozession – bei der allerdings gedachten alle Teilnehmer schweigend der Leiden Christi. Andere Länder, andere Sitten. Still verhalten dürfen sich die Zuhörer auch bei den österlichen Musikdarbietungen in und um Berlin. Bei den reichlich atheistisch anmutenden wie der „Oster Tango Gala“ am Sonntag im Kammermusiksaal wie auch bei den besinnlicheren.

Wem beim traditionellen Osterspaziergang bald zu kalt wird, der kann sich in eine Musikdarbietung flüchten. Zum Beispiel am Montag in der Klein-Glienicker Kapelle in Potsdam-Babelsberg, wo Ulrich Eckhardt um 16 Uhr Orgel spielt. Als Unruheständler unterstützt der langjährige Intendant der Berliner Festspiele gerne Gemeinden mit Benefizkonzerten. Diesmal interpretiert er Werke aus dem 12. bis zum 20. Jahrhundert. Im eleganten Foyer des Potsdamer Nikolaisaals wiederum widmen sich zur selben Zeit Bettina Lange, Christoph Knitt und Li-Chun Su Kompositionen für Flöte, Fagott und Klavier.

Wer schon am heutigen Sonntag früh auf den Beinen ist, der kann um 11.30 Uhr in der Grunewaldkirche Wilmersdorf bereits vor dem obligatorischen Gang in die Natur Ausschnitte aus Johann Sebastian Bachs „Oster-Oratorium“ erleben.

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