Pauken & Trompeten : Ein bisschen Abschied

Die Ära Zagrosek beim Konzerthaus-Orchester geht ganz langsam dem Ende entgegen. Jörg Königsdorf empfiehlt Soundtracks fürs Finale.

Jörg Königsdorf

Eigentlich hätte man das Werk, das Lothar Zagrosek am Sonntagnachmittag im Konzerthaus dirigiert, erst in einem Jahr erwartet: Mahlers Neunte ist mit ihrem schier endlosen Fade-Out-Finale der Soundtrack für stille Abschiede und wäre ein würdiger Schluss für die Ära Zagrosek beim Konzerthaus-Orchester gewesen. Nun hat der Dirigent zwar noch eine Saison vor sich, aber ein bisschen Abschied schwingt bereits jetzt mit. Und auch der Frust darüber, dass der frische Wind, für den Zagrosek mit seinen Programmideen sorgte, offenbar nicht kräftig genug war, um die Ressentiments der Musiker fortzublasen. Für Mozart und Moderne sei er gut, so hieß es, aber fürs zentrale sinfonische Repertoire nicht gut genug. Das lässt sich heute nachprüfen: Neben Mahlers Neunter steht das 1996 entstandene Violakonzert der Russin Sofia Gubaidulina auf dem Programm. Noch ein Abschied: In diesem Fall ist es der Solist, der fabelhafte französische Bratscher Antoine Tamestit, der mit dem Werk seine Saison als Artist-in-residence am Konzerthaus beendet. Wer Tamestits Schnittke- und SchostakowitschAufnahmen kennt, der weiß, dass ihm der Seelenton der russischen Musik liegt und er die Kunst versteht, tiefe Gefühl auszudrücken, ohne dabei sentimental zu klingen.

Das Programm beschließt allerdings noch nicht die Saison des Orchesters: Das bleibt am Freitag und Samstag in einer Woche einem Gast vorbehalten. Der Däne Thomas Dausgaard hat mit Richard Strauss’ Orchestersuite zu Molières „Der Bürger als Edelmann“ und Dvoraks sechster Sinfonie zwei Stücke gewählt, die keinen Anlass zur Symboldeutelei geben. In seinen Grundüberzeugungen ist Dausgaard gar nicht so weit von Zagrosek entfernt: Als Chef des Schwedischen Kammerorchesters hat er sich auch für das Repertoire der Romantik einen klassisch orientierten, straffen, kammermusikalischen Stil erarbeitet – was seine ausgezeichnete Einspielungen der Beethoven-Orchesterwerke und der Schumann-Sinfonien beweisen. Ein unverkrampftes Saisonfinale. Und die Abschiedstränen heben wir uns für nächstes Jahr auf.

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