PAUKEN & Trompeten : Ein großes Opernspiel

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Wie schön, berichtete die Lieblingsschwester Wilhelmine aus Bayreuth, ich höre nur Gutes über die Aufführung in Berlin. Der Brief, so oder ähnlich an Friedrich II. geschrieben, liegt dieser Tage im Musikinstrumentenmuseum unter Glas, ganz in der Nähe einer Duftstation, aus der bei Knopfdruck eine Wolke aus Feuerwerksgeruch, Schweiß und Kerzenaroma dampft, winziges Impromptu zur Sinnlichkeit der Oper im 18. Jahrhundert – und das sind nur einige der besonderen Attraktionen der Ausstellung Friedrichs „Montezuma“. Macht und Sinne in der preußischen Hofoper (bis 24.6., Di-Fr 9-17, Do bis 22, Sa/So 10-17 Uhr).

Etwas weiter entfernt liegt noch das faltbare Reisecembalo Friedrichs, der das Textbuch für den „Montezuma“ entworfen hat, lässt sich eine Aufnahme mit dem letzten Kastraten der Capella Sistina hören und ein Porträt der „Barberina“ sehen, jener hochberühmten Tänzerin, die Friedrich unter Androhung von Gewalt aus Venedig nach Berlin holen ließ. Ruth Müller-Lindenberg, die die Ausstellung kuratiert hat, war daran gelegen, nicht nur eine Schau auf das „Werk selbst“ zu bieten, das im Januar 1755 Unter den Linden uraufgeführt wurde und den Berlinern ein wahrhaft fremdes Sujet nahebrachte, sondern der Realität einer jeden Opernaufführung gerecht zu werden.

So liegen im MIM zwar auch Autografe und Erstdrucke aus, doch werden daneben die vielen Menschen sichtbar, die an der Verwirklichung dieser Oper beteiligt waren. Friedrich beriet sich mit seiner Schwester und suchte das Gespräch mit Voltaire. Carl Heinrich Graun komponierte die Musik, Giuseppe Galli Bibiena schuf prachtvolle Kulissen. Kastraten wurden engagiert, obgleich Friedrich in ihnen bloß „Singe-Kapaune“ sah, Bühnentechniker installierten Wettermaschinen, und Feuerwerksleute mussten sich mit den Löschmännern abstimmen.

Nach Verklingen der letzten Töne las man das Libretto in der brandenburgischen Provinz in Textbüchern nach, und am preußischen Hof spielte Thronfolger Friedrich Wilhelm Musik aus dem „Montezuma“ auf der Gambe. Ein großes Opernspiel also, eine feine, heitere Ausstellung.

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