PAUKEN & Trompeten : Ein Vöglein hat gezwitschert

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Vor vielen Jahren ging ich im Süddeutschen durch ein Studentenstädtchen und hörte überall auf den Gassen junge Männer tirilieren. Sie versuchten den Countertenor nachzuahmen, der eben im städtischen Theater den Elfenkönig Oberon in Brittens „Mittsommernachtstraum“ gesungen hatte. Damals war das Hochsingen eine ungewöhnliche Sache, die Barockmusik-Hausse setzte erst Jahre später ein. Heute hat sich das Publikum so an derartige Stimmen gewöhnt, dass es fast vergisst, wie verschlungen die Wege sind, auf denen Sänger in Alt- und Sopranhöhen gelangen: Einige haben einen Bariton, mit dem sie so mittelzufrieden sind, und freuen sich, wenn sie auf einmal ein neues Stimmfach, ein neues Glück entdecken. Andere singen hoch, weil sie schon als Knaben getan haben und es ihnen gelungen ist, ihre Gesangsstimme über die Klippen des Stimmbruchs hinweg zu erhalten.

So oder ähnlich ist es Andreas Scholl ergangen, dem bekanntesten deutschen Countertenor. Als Siebenjähriger sang er im Knabenchor, studierte dann an einer der wichtigen Ausbildungsstätten für Alte Musik, der Schola Cantorum Basiliensis. Seitdem ging es stetig aufwärts – vor einigen Wochen erst war Scholl in der Salzburger Inszenierung von Händels „Giulio Cesare in Egitto“ zu hören. Seine Stimme eignet sich besonders für das intime, gedankenvolle Repertoire. So nimmt es nicht wunder, dass er für seinen Auftritt am Samstag (15. 9.) im Konzerthaus einen Rahmen wählt, der einem Liederabend gleichkommt.

Näheres darf nicht verraten werden, denn bei der Veranstaltungsreihe „Ein Abend mit ...“ besteht die Programmfolge traditionell aus lauter Überraschungen. Irgendein Vöglein allerdings hat uns gezwitschert, dass Scholl Mozart singen wird, später vielleicht Schubert und Brahms. Und dass seine langjährige Begleiterin Tamar Halperin möglicherweise das traumhafte Intermezzo op. 118,2 von Johannes Brahms zu Gehör bringen wird. Alles nur Vermutungen, aber so könnte es sein. Wer sich schon vorher Scholl und seiner Ausnahmestimme zuwenden möchte, sollte sich am Montagabend (10.9.) im Konzerthaus-Musikclub einfinden, wo die Dokumentation gezeigt wird, die die Filmemacher Uli Aumüller und Hanne Kaisik vor fast zehn Jahren drehten, als Scholl gerade anfing, berühmt zu werden.

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