PAUKEN & Trompeten : Fernduell mit Geige

Jörg Königsdorf

Schon mutig, was sich Florian Meierott da zutraut: Für sein Solorecital am Freitag hat der Würzburger Geiger tatsächlich den Kammermusiksaal der Philharmonie gemietet. Man stelle sich das mal vor: Eine Halle mit 1100 Plätzen für ein Hardcore-Asketen-Konzert ausschließlich mit Werken für Violine solo, gespielt von einem Musiker, den in dieser Stadt kein Mensch kennt. Und das nicht nur in direkter Konkurrenz zu den Philharmonikern im großen Saal nebenan und zum Konzerthausorchester, die beide an diesem Abend prominente Streichersolisten zu Gast haben. Da kann man ja gar nicht anders, als diesem tollkühnen Mann eine Kolumne zu widmen! Erst recht, wenn man sich dann auch noch seinen Lebenslauf anschaut: Denn Meierott ist nicht nur Geiger und Komponist eines Techno-Violinkonzerts, sondern hat offenbar auch ein großes Herz für Kinder. Neben Kinderkonzerten, bei denen er die Figur des ehedem berühmten Musikclowns Grock wiedererweckt, hat er auch noch eine Violinschule in Kinderbuchform verfasst sowie eine Stiftung zur Förderung junger Talente und einen Violinwettbewerb für Kinder ins Leben gerufen. So viel Engagement sollte mit einem Konzertbesuch belohnt werden. Auf dem Programm steht übrigens neben Bach und Paganini auch ein „Stabat Mater“ aus der Feder des geigenden Menschenfreunds.

Aus rein künstlerischen Gründen fällt die Entscheidung über die Ausgestaltung des Freitagabend allerdings etwas schwerer: Denn das Virtuosenstück aus Meierotts Programm, Paganinis Variationen über die Arie „Nel cor piu non mi sento“ kann man am gleichen Abend auch im Kleinen Saal des Konzerthauses hören, und zwar von einem erprobten Paganini-Experten: Der Münchner Geiger Ingolf Turban hat nicht nur die Violinkonzerte des Meisters allesamt auf CD eingespielt, sondern auch schon in Berlin seine beeindruckende Fingerfertigkeit in diesem Repertoire demonstriert. Diesmal kommt er mit einem Programm für die klanglich aparte Besetzung Violine und Harfe: Barockes, Französisches, aufgelockert durch Solostücke sowie Musik des deutschen Romantikers Louis Spohr.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben