PAUKEN & Trompeten : Fiepsen und fiedeln

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Mittags ins Konzert, und das am Mittwoch, das wär doch mal was, ein unauffälliger Termin, der gewissermaßen Trench und Sonnenbrille trägt und an der Ecke steht und wartet. Also das genaue Gegenteil des Symphoniekonzerts mit seinem Habitus der Ausgrenzung aus dem Kontinuum des Alltags. Je weniger davon, desto besser, denkt sich offenbar William Engelen, der nach eigener Auskunft komponiert, weil er den Alltag liebt. Wie nachhaltig der Niederländer diese Liebe pflegt, hat die Kunstaktion gezeigt, die er vor Jahren in Bonn veranstaltete.

„Ich habe mehrere Rückmeldungen erhalten, wonach Amseln erkennbar den Schlusschor der neunten Symphonie gezwitschert haben“, sagte Engelen seinerzeit, nachdem er dafür gesorgt hatte, dass Bonner Handytelefonierer Beethovens „Ode an die Freude“ – gepfiffen von digitalen Amseln – als Klingelton nutzen konnten. Einige Amselmännchen, allzeit bereit, Gesangsrivalen mit Kontergesängen den Schnabel zu stopfen, hatten die angenehmen Töne der Neunten vielleicht tatsächlich aufgenommen. Vielleicht auch nicht. Jedenfalls ist Beethovens Musik nicht mehr geschützt – nicht auszudenken, wo und bei wem die GEMA ihre Gebühren eintreiben wollte, wenn Berliner Amseln anfangen sollten, Melodien von Rosenstolz oder Rammstein anzustimmen. Stücke von William Engelen gibt es nun mit dem Kammerensemble Neue Musik Berlin in der Kapelle der Versöhnung, zum Beispiel „Jochen“ für Klarinette oder „Falten Rock“ für Violine und Haegum, eine koreanische Fiedel, an der Engelen selbst spielen wird. Für diejenigen, denen selbst dieses Programm noch zu wenig konkret und lebensnah ist, wird Martina Seeber erläuternde Worte sprechen. Der Eintritt ist frei.

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