PAUKEN & Trompeten : Flirts, Flausen und Hingabe

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Musikalisch wäre in Berlin in diesen Tagen sozusagen gar nichts los, wenn es nicht das Festival Young Euro Classic gäbe. Seit zwölf Jahren verbreiten die internationalen Jugendorchester vom Gendarmenmarkt aus Sommerlaune, locken Neulinge ebenso wie Klassik-Aficionados. Inzwischen gastieren im Konzerthaus freilich nicht mehr blutjunge, sondern junge Ensembles, solche also, deren Mitglieder sich auf dem besten Weg ins professionelle Musikerdasein befinden. Von den typischen Eigenschaften eines Jugendorchesters sind sie wohl trotzdem noch nicht frei. Zum Glück! Schließlich gehören auch gute Dinge dazu, nicht nur die Begeisterungsfähigkeit für Flirts und Flausen und Proben zwischen den täglichen Partys.

Denn vor allem die Mischung aus Hingabe und Leistungsbereitschaft zeichnet Jugendorchester aus. Sie sind in ganz besonderer Weise hochnervös. Dirigenten sprechen von einer Art Knetgummi, das jeden Fingerzeig abbildet, im Guten wie im Schlechten. An dieser oder jener Stelle zum Beispiel nur an der Spitze des Bogens spielen? Berufsmusiker denken, „also, na gut, ich versuche da jetzt mal was (vielleicht)“ – junge Streicher setzen das eins zu eins um. Seien wir also gespannt darauf, wie eng der Zusammenhalt im Orchester und die Ausrichtung nach vorn in diesem Jahr ist.

Etwa beim Moritzburg Festival Orchester, das am Donnerstag unter Grant Llewellyn die Erste von Prokofiev und Beethovens Zweite interpretiert. Oder am Samstag: Das nationale Jugendorchester Rumänien mit Cristian Mandeal am Pult und Miahela Ursuleasa (Klavier) spielt Chopins zweites Klavierkonzert. Ein Extra in diesem Jahr ist das Chorkonzert heute Abend mit immerhin drei Uraufführungen. Cantus Domus, Consortium Vocale Berlin und Ensemberlino Vocale werden von einer Spur Akkordeon, etwas Schlagzeug, Posaune und Klavier begleitet. Gerade junge Choristen sind übrigens besonders jugendorchestrig: Die Gesangsstimme reagiert noch stärker als jedes „richtige“ Instrument auf dirigentische Vorgaben.

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