PAUKEN & Trompeten : Fremdgehen statt fremdeln

Jörg Königsdorf über einen Partnertausch mit Symbolgehalt

Jörg Königsdorf

Der kommende Donnerstag dürfte als historisches Datum in die Berliner Musikgeschichte eingehen. Während Daniel Barenboim die Philharmoniker dirigiert, gibt Simon Rattle sein Debüt in der Staatsoper – ein Partnertausch, der signalisiert, dass die Rivalität zwischen den einstigen Konkurrenten um die Philharmoniker begraben ist. Für Harmonie spricht auch das Programm: Während Rattle sich in der Staatsoper Debussys „Pelléas und Mélisande“ widmet (auch am 13., 20., 23. 4.), liegt in der Philharmonie Schönbergs Tondichtung über das gleiche Thema auf den Pulten (auch am 11., 12. 4.).

Die Verpflichtung Rattles für die Lindenoper ist jedenfalls ein Coup: So wird auch die etwas angejahrte Ruth-Berghaus-Inszenierung wieder attraktiv. Vor allem aber gibt sie Gelegenheit, Mrs. Rattle in einer ihrer Glanzrollen zu erleben. Magdalena Kozenas Mezzosopran ist ideal für Debussys Titelheldin, und was den Nuancenreichtum ihres Französisch angeht, kann sie es mit jeder Muttersprachlerin aufnehmen. Für Rattle ist der Ausflug an die Staatsoper allerdings nicht nur symbolischer Akt und familiäre Musikpflege, sondern auch eine Gelegenheit, seine Berliner Opernambitionen fortzusetzen. Denn Pamela Rosenberg, die Intendantin der Philharmoniker, hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass sie von konzertanten Opernaufführungen generall wenig hält – und erst recht nicht in einer Stadt, die mit drei Opernhäusern gesegnet ist. Und da hat sie einfach recht.

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