PAUKEN & Trompeten : Fümms bö wö tää zää Uu

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„Ich bin hier und es gibt nichts zu sagen“, heißt der erste Satz von John Cages „Vortrag über nichts“, und das, obwohl Cage bei Verfassen noch gar nichts von Twitter oder täglichen Polit-Talkrunden im Fernsehen wissen konnte. Selbstverständlich soll dieser erste Satz auf keinen Fall so gesprochen werden, dass sich gleich alles umdreht und große Augen macht. Am besten weghören, heißt die Devise, trotz der sensibel durchkonstruierten Form des Textes, weitergehen, weiterblättern, höchstens noch ein bisschen nachdenken über den Sinn von Kunst.

Bei einer so heiteren Selbsterniedrigung im Verbund mit einer so gelassen realisierten Liebe zur Form nimmt es nicht wunder, dass nicht alle Komponisten der Gegenwart John Cages Vermächtnis im Herzen tragen und ihn als jenen radikal Anderen, Neuen wertschätzen wollen, als der er im Sommer 1958 bei den Darmstädter Ferienkursen irritierte. Vereinzelt wird sogar diagnostiziert, Cage sei musikalisch völlig unmaßgeblich und der ganze Hype um ihn werde sich mit fortschreitender Zeit legen.

Wahrscheinlich lächelt der 1992 Verstorbene, wo immer er ist, über solche Gedanken, sagt „ganz genau und richtig so“ und freut sich stattdessen daran, dass die vom 17. bis 25. 3. stattfindende MaerzMusik ihm zum 100. Geburtstag einen Schwerpunkt widmen wird. Jedenfalls gehören zu dem Anfang der 1950er Jahre entstandenen „Vortrag über nichts“ auch der „Vortrag über etwas“ und die „45 Minuten für einen Sprecher“, eine wort- und wörterstarke, dennoch „Silence“ genannte Trilogie, die Ernst Jandl später ins Deutsche übertragen hat.

Im Cage-Jubeljahr präsentiert Gerhardt Müller-Goldbloom, von Haus aus Musiker und Dirigent des Berliner Ensembles „work in progress“, zumindest einen Teil dieser Trilogie in seiner ganzen, skurrilen Schönheit, nämlich die „45 Minuten für einen Sprecher“ – am Dienstag im Radialsystem, im Rahmen der monatlichen Reihe „amuse gueules Neuer Musik“. Außerdem spricht Müller-Goldbloom verschiedene Auszüge aus dem Werk von Kurt Schwitters, Schöpfer der „Fümms bö wö tää zää Uu“-Ursonate. Wer sich über soviel Dada beziehungsweise Para-Sinnhaftigkeit beschweren möchte, tut gut daran, bis zum Glas Wein nach der Darbietung zu warten. Dann wird man den Künstler persönlich alle wichtigen Fragen über das Sein und das Nichts in Kunst und Leben stellen können.

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