Pauken & Trompeten : Gemischtes Doppel

Jörg Königsdorf

Ob die Gegner der Frauenquote irgendwann darauf kommen werden, das Streichquartett für ihre Argumentation einzuspannen? Denn die intellektuelle Kerndisziplin der Klassischen Musik ist eigentlich das beste Beispiel dafür, dass sich Gleichberechtigung auch ohne Reglementierungen entwickeln kann. Während vor dreißig Jahren noch die allermeisten Ensembles ausschließlich aus Männern bestanden und höchstens mal eine genügsame Frau an der zweiten Geige geduldet wurde, ist die Geschlechtszugehörigkeit für die Zusammensetzung der Viererrunde heute überhaupt kein Kriterium mehr. Einmal von den traditonsverbundenen Franzosen abgesehen, wo der Nachwuchs noch hauptsächlich aus Herren- Vierern besteht – den Ebènes, Diotimas und Modiglianis – dominiert inzwischen die gemischte Besetzung.

Beim letzten Quartettwettbewerb im kanadischen Banff etwa, den fast alle jungen Quartette mit professionellen Ambitionen irgendwann mitmachen, trat letztes Jahr kein einziges reines Männerquartett an. Dafür gewann mit dem kanadischen Cecilia Quartet eine reine Frauengruppe den ersten Preis. Ob die vier Cäcilien die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen können, lässt sich am Donnerstag im Konzerthaus an Quartetten von Haydn, Dvorak und der Belgrader Komponistin Ana Sokolovic überprüfen. Schon ein Blick auf die historische Preisträgerliste des Banff-Wettbewerbs zeigt allerdings auch, dass es oft gar nicht die Gewinner waren, die anschließend Karriere gemacht haben. Schon beim ersten Mal gewann dort ein heute völlig unbekanntes US-Quartett, während die fantastischen Hagens sich mit dem zweiten Preis begnügen mussten. Auch das Mandelring-Quartett wurde in Kanada 1992 nur mit einem vierten Preis dekoriert und ist dennoch zu einem der wichtigsten deutschen Streichquartette seiner Generation geworden. Ein Status, den die Pfälzer auch durch einen eigenen Zyklus im Kammermusiksaal untermauern. Unter dem Motto „Innere Verbundenheit“ stellen sie am Donnerstag Brahms’ c-moll-Quartett einem Stück seines heute weitgehend vergessenen Zeitgenossen Otto Dessoff gegenüber.

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