PAUKEN & Trompeten : Hoch zu Rössl

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Glitter, Witz und leise Frivolität: Am amerikanischen Broadway, bei den Revuen Florenz Ziegfelds, hatte sich der zunächst als Tänzer ausgebildete Erik Charell abgeschaut, wie man das Publikum am besten unterhält. Mitte der 1920er Jahre übernahmen der 1894 geborene Charell und sein älterer Bruder Ludwig in Berlin die Leitung des Großen Schauspielhauses, an dem nun Aufsehen erregende Revuen Premiere feierten, zum Beispiel „Für Dich“ oder „Von Mund zu Mund“ mit Claire Waldoff und der jungen Marlene Dietrich. In den späten 1920er Jahren holte Charell die Comedian Harmonists für „Casanova“ ans Haus und brachte 1930 mit dem „Weißen Rössl“ einen späteren Welterfolg auf die Bühne.

Es waren große Jahre für die Operette. Gegen deren Feinde, so schrieb der Publizist Willy Haas seinerzeit, hege er „schwerwiegende Verdachte. Es sind meist Bildungsheuchler, vertrocknete Exaltados, Expressionisten, Pen-Clubmitglieder, mit einem Wort: Gerippe ohne Fleisch“.

Bekanntlich ging es nicht lange gut mit dieser Kunst. 1933 kehrte Charell dem nationalsozialistischen Deutschland den Rücken, im Januar 1936 wurde er amerikanischer Staatsbürger. Eine erste Produktion nach dem Krieg brachte er am Münchner Gärtnerplatztheater heraus; 1974 starb Charell in München und wurde in Oberägeri in der Schweiz beigesetzt. Donnerwetter! Tadellos! – Berliner Operette und Revue heißt nun eine gut zweistündige Expedition per Omnibus zu den Berliner Stätten von Erik Charells Wirken und dem seiner Komponisten-, Sänger- und Produzentenkollegen, die die Musikwissenschaftlerin Susanne Oschmann im Rahmen ihrer „Schöne Künste Exkursionen“ anbietet. Am Samstagmittag geht es los mit dem Hören, Sehen, Staunen – von Charell und Paul Lincke wird die Rede sein, von Friedrich Hollaender und Richard Tauber, von Fritzi Massary oder Walter Kollo.

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