PAUKEN & Trompeten : Im Silberglanz

Jörg Königsdorf über die Lust von Orchestern auf Geburtstags-CDs

Jörg Königsdorf

Mag noch so oft der unaufhaltsame Niedergang der CD beschworen werden, für die Musiker hat die Silberscheibe allen schlechten Umsatzzahlen zum Trotz bislang kaum etwas von ihrem Glanz verloren. Denn was Tantiemen angeht, spielt das Medium CD für Orchester und Solisten schon längst keine große Rolle mehr – wichtig sind Aufnahmen hauptsächlich für das Prestige, weil sie dokumentieren, dass man sich auch überregional hören lassen kann. Denn natürlich schwillt die Brust jedes Orchestermusikers vor Stolz, wenn er die Beethoven-Aufnahme seines Orchesters im CD-Laden neben der illustren Konkurrenz von Bernstein bis Karajan findet. Und auch der gerade bei der Deutschen Grammophon erschienene Mitschnitt von Mascagnis lyrischer Verismo-Oper „L''amico Fritz“ aus der Deutschen Oper mit dem Starduo Roberto Alagna und Angela Georghiu ist eben auch ein international wahrgenommenes Signal für den Aufwind, in dem sich das Haus derzeit befindet.

Noch wichtiger sind CDs für die freien Ensembles: als Leistungsnachweise für das Tourneegeschäft, aber auch als Fanmaterial. Denn selbst bei berühmten Künstlern läuft mittlerweile ein erheblicher Teil der CD-Verkäufe direkt nach den Konzerten, und auch die Klassikstars werden inzwischen von ihren Firmen sanft dazu gedrängt, den Produktabsatz durch Autogrammstunden zu erhöhen.

Auch beim Konzert des Deutschen Kammerorchesters am Freitag dürfte die CD ausliegen, die sich das Ensemble aus Anlass seines 20. Geburtstags gegönnt hat. Den Zweck, sich bei Veranstaltern zu empfehlen, erfüllt die Aufnahme bestens: Erstens bringen die Stücke – Brittens Variationen über ein Thema seines Lehres Frank Bridge, zwei Miniaturen von Grieg und das überraschend schmissige Cellokonzert des Finnen Aulis Sallinen – den homogenen, klangvollen Streicherton der Formation gut zur Geltung. Und zweitens passt die Kombination aus Klassik und zugänglicher Moderne zur Programmlinie der DKO-Konzerte. Diesem Motto bleibt auch das Konzert am Freitag im Kammermusiksaal treu. Neben einer Uraufführung stehen Haydns späte c-moll-Sinfonie und Mozarts Konzertarie „Ah, lo previdi“ auf dem Programm. Am Pult steht Markus Poschner, der auch als Bremer Generalmusikdirektor dem Kammerorchester als Gastdirigent treu geblieben ist. Er wird schon wissen, warum.

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